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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 286)
Language
German
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IRI
…/3486266-3486297--8737-3495117
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geistigen Vorzügen einander ähnlich, schienen sie umsomehr recht für einander geschaffen, als beider Charakter und Temperament sich gleichsam ergänzten. Der gleiche Adel der Gesinnungen machte die junge Frau ihm ebenbürtig, ihr klarer Verstand sie fähig zu Kat und Überlegung, und allseitig wurde, besonders von christlichen Bekannten, die Klugheit bewundert, mit welcher die Frankfurterin sich in die kleinlichen Verhältnisse des Landlebens zu schicken wußte und rasch in Garten und Feld zu Hanse war. Frau Rabbiner Wetzlar besaß einen heiteren Humor und ihr mnnteres fast joviales Wesen verklärte den angeborenen Ernst ihres Mannes zu einer unbeschreiblichen Milde. Koch werden ältere Gudensberger mit Vergnügen sich erinnern, welch angenehmes Haus das Wetzlar’sche damals war, und wie frei seine Schüler und Hausfreunde sich darin bewegen konnten; wie ungezwungene Gemütlichkeit im geselligen Verkehr herrschte und die Teilnahme war wahrhaft herzlich und wechselseitig. Alle Hausgenossen fühlten sich in stillschweigender Zusammengehörigkeit. Die Lebensweise im Hause war ziemlich statarisch eingeteilt. Rabbiner Wetzlar stand im Sommer täglich um 4 Uhr, im Winter um 5 Uhr morgens auf und lernte seinen שעזר. Er hatte sich in dieser, wie in noch vielen anderen Beziehungen die religiösen Gewohnheiten und Gebräuche seines Meisters zu eigen gemacht, und man konnte wohl sagen, der Hanauer Raw lebte in seinem treuesten Schüler fort. Aber er lebte auch in seinem Herzen lebendig weiter. Rabbiner Wetzlar lernte zu Ehren des teueren Dahingeschiedenen täglich einen שעור משניות, und immer am Jahrzeitstage desselben (um ,ר״ד) hatte er סיום auf das משניות, sowie er auch einen Sohn aus zweiter Ehe nach dessen Kamen nannte. Nach dem Lernen ging er in die Synagoge, und nach dem ersten Frühstück war seine Zeit amtlichen Arbeiten gewidmet. Täglich erteilte er Religions-Unterricht in der Schule; dann ließ er die eingetroffenen שאלות sich verlegen, welche, da über dreißig Landgemeinden zu seinem Rabbinat gehörten, zahlreich waren und viel Zeit absorbierten. Er gewann dadurch im Paskenen eine außerordentliche Routine und im Laufe der Jahre eine überaus reiche Erfahrung. *) Dann hatte er oft Eideshelehrungen zu er- *) Diese Erfahrung bereitete einst dem oben erwähnten Chajim Mals-

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