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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 284

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 284)
Language
German
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259 Doch diese Anordnung sollte ihm eine neue Unannehmlichkeit bereiten. Rabbiner Wetzlar besaß nämlich ein eigenes n״D, das in dem neuen Betlokal benutzt wurde; um aber an den Festtagen abwechseln zu können, entnahm er aus der alten Synagoge ein zweites ספר, das ebenfalls feierlich in dem ארון הקודש des Schullokals aufgestellt wurde. In der alten Synagoge, wo ר״ ברוך der eigentliche Vorsänger war, sahen es dessen Anhänger mit Widerwillen, daß Rabbiner Wetzlar einen getrennten Gottesdienst eingerichtet hatte und arbeiteten darauf hin, denselben wieder zu beseitigen. Da dies auf friedlichem und loyalem Wege nicht zu erreichen war, so scheuten sie die Denunziation nicht, um zu ihrem Zwecke zu gelangen und reichten eine lange Beschwerdeschrift an die Behörde ein, worin sie ihn keines Geringeren als des Synagogenraubes anklagten. Er habe sich, hieß es darin u. a., eine Privatsyna« goge eingerichtet und zu seinem Gebrauche ohne jegliche Berechtigung aus dem Tabernakel der Gemeinde-Synagoge eine heilige Thorarolle zugeeignet. Infolge dieser Anklage wurde die Untersuchung gegen ihn eingeleitet und seine Freunde waren nicht ohne Besorgnis, sie möchte nachteilige Folgen für ihn haben. Denn damals war der spätere, durch die Kriminal-Untersuchung gegen Professor Sy 1 vester Jordan in Marburg berüchtigte, Legationsrat Wangemann Amtmann in Gudensberg und wurde wegen seiner nichts weniger als mensehenfreundlichen Gesinnungen von den Christen und — mit noch weit mehr Recht — von den Juden gefürchtet und gehaßt. Eine solche deprimierende Anklage gegen einen jüdischen Geistlichen mußte wie es schien, einem Manne wie Wangemann gar nicht unwillkommen sein, und die weniger boshaften als beschränkten Denunzianten waren schon eines für sie, wie sie glaubten, günstigen Erfolges gewiß. Aus dieser Kalamität retteten ihn zwei Umstände. Zuerst war es der, daß Rabbiner Wetzlar Mitglied des Kasinos der Christliehen Honoratioren war und infolgedessen persönlich mit dem Amtmann Wangemann und dessen vertrauten Freunden verkehrte, welcher ersterer sich ihm gegenüber gern den Anschein eines liberalen und toleranten Mannes gab. Diesen Männern setzte Wetzlar den wahren Sachverhalt klar auseinander, sodaß dem Amtmann n*

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