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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 280

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 280)
Language
German
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255 der Zeit und verschmähte ihre wichtigen Bildungsmittel nicht, welche ältere Rabbinen unbeachtet zu lassen, ja, wohl gar ahsichtlich zu ignorieren für eine weise Pflicht hielten. — So stand W. auf der Grenzscheide zweier Kulturperioden, wie nur wenige befähigt und bereit, den Übergang aus der alten Zeit in die neue zu vermitteln und ihre schroffen Gegensätze auszusöhnen. Im Jahre 1830 trat Wetzlar sein Amt an. Schon mehrere Jahre vorher war in Gudensberg der erste ״geprüfte* Lehrer, ein Herr Stiebei, angestellt, und nach dessen frühzeitigem Tode die Schule von einem Zögling des Kasseler Seminars, Jacob Banmann, provisorisch verwaltet worden. Doch lebte der ehemalige Religionslehrer, ד ברוך, damals noch und versah die Stelle als Vorsänger der Gemeinde noch weiterhin. ר״ ברוך, der seine talmadische Bildung in Bamberg erlangt hatte, stand bei den älteren Familienhäaptern, die zumeist seine Schüler waren, in hohem Ansehen nnd dieselben sahen mit ihm in der von der Regierung vorgeschriebenen An- Stellung seminaristisch oder akademisch gebildeter Lehrer eine Gefährdung der altgläubig frommen Lebensweise in den Gemeinden, während hingegen viele jüngere Mitglieder der Gemeinde die der Jugend zu teil werdende elementare Bildung und die durch Rabbiner Wetzlar eingefährte Regelung des Gottesdienstes als ein Erfordernis der Zeit erkannten und begrüßten. ר* ברוך selbst war ein sehr achtbarer Mann aus alter Schule, der aber seine Beseitigung als Religionslehrer der Gemeinde so rasch nicht verschmerzen konnte und dem Rabbiner Wetzlar, der indirekten, obwohl unschuldigen Ursache derselben, darum anfangs nichts weniger als zugeneigt war. Es bildete aus seinen Anhängern sich daher auch bald eine Gegenpartei, gegen deren Vorurteile Wetzlar auch dann noch eine geraume Zeit anzukämpfen hatte, nachdem es ihm durch kluges Verhalten und Mäßigung bereits gelungen war, רי ברוך selbst zu sich heranzuziehen. Denn Wetzlar förderte die Privatinteressen desselben in jeder Weise, ließ sich auch bis zu seiner Verheiratung aus dessen Hause beköstigen und benutzte seinen Einfluß als Rabbiner, um das Einkommen des alten Mannes zu. verbessern, sodaß ד ברוך selbst die aufrichtige Gesinnung gegen ihn anerkannte und fortan freundschaftlich und herzlich mit ihm verkehrte. Nicht so vernünftig verhielten sich in den ersten Jahren seine Anhänger. Die Gudensberger Gemeinde stand vor fünfzig

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