Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 279)
- Language
- German
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254 anf ein sorgenfreies Auskommen, oder die Wahrscheinlichkeit, in einer anderen Stellung mehr zur Förderung des Guten tun zu können, uns dazu bestimmte; daß aber niemals der größere materielle Vorteil maßgebend sein dürfe, um den von der Vorsehung uns zugewiesenen Wirkungskreis aufzugeben und die Vollendung unseres begonnenen Werkes dem Zufall zu überlassen. In Gemäßheit der Verordnung vom 30. Dezember 1823 sollten, wo möglich, alle Kreise des Kurstaates Rabbiner haben. Die Kreisrabbinate waren indessen jedes einzeln für sich nicht einträglich genug, weshalb in der Regel eine Religionslebrerstelle damit verbunden wurde. Da nun aber eine solche in den Kreishauptstädten nicht vakant und nur die für die damalige Zeit gut dotierte Lehrerstelle in Gudensberg zu besetzen war, so wurde anf Vorschlag des Israelitischen Provinzial-Vorsteher-Amtes dieselbe mit dem Rabbinat des Kreises Fritzlar vereinigt und demgemäß dasselbe dem Kandidaten mit dem Wohnsitze in Gudensberg übertragen. IV. Amtsantritt. Wohl selten war ein junger Rabbiuer im Besitze größerer Tüchtigkeit zur Übernahme seines ersten Amtes als R. M. Wetzlar• Zwar stand das Maß talmudischen Wissens, wie das seinige, noch nicht 80 vereinzelt da in jener Zeit, selbst bei jüngeren Amtsgenossen in Deutschland. Allein er brachte bereits auch reiche Erfahrungen mit, welche andere erst spät, oft zu spät in ihrer Amtsführung zu machen pflegen, und mit diesen reichen Erfahrungen vereinigte er Tatkraft und Ernst und diejenige Besonnenheit, welche dem Manne zur Seite geht, welcher bereits eine gewisse Reife der Jahre erlangt hat. R. Wetzlar war damals in der Fülle der Kraft, kaum dreißig Jahre alt, er konnte als למדן mit alten למדנים sich messen, hatte andererseits soviel wissenschaftliche Bildung sich erworben, um als orthodoxer Rabbiner auch ein Verständnis für die profanen Wissenschaften zu besitzen und — was ein wesentliches Erfordernis jener Zeit war — um die Bedeutung der modernen Bildung zu schätzen und anzuerkennen. Darum blieb er auch vor manchen Mißgriffen bewahrt, welche andere junge orthodoxe Rabbinen in den ersten Jahren ihrer Amtszeit zu machen pflegten, und förderte er doch wieder auch die berechtigten Anforderungen