Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 278)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486297--8729-3495109- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
253 neigen könne, so musste die göttliche Vorsehung und höebste AB- Weisheit uns auch den einfachen Weg zur Wahrheit gezeigt haben, und diese Wahrheit muß für den tiefsinnigsten Denker, wie für den einfach natürlichen Verstand dieselbe und muss allen Zuganglieh, allen begreiflich sein. Eine solche fassliche Wahrheit bietet uns die Offenbarung. Das Judentum hat demnach seine eigene Philosophie, und begreifen wir freilich auch manches nicht vollständig darin, so müssen wir uns bescheiden in die Überzeugung finden, dass in diesem irdischen Leben uns überhaupt manches aus Mangel höherer Einsicht wohl ewig verschlossen bleibt, wie wir ja auch in der Natur das Wesen der nächsten, uns umgebenden Dinge nicht ergründen können. Dagegen gibt es im Judentum auch wieder keine Lehre, die der menschlichen Vernunft schlechthin widerspricht. Es bleibt dem schwachen Sterblichen erlaubt, — ja es ist verdienstlich, nach Erkenntnis und Wahrheit zu forschen; aber Vermessenheit ist es, das für unumstößliche Wahrheit auszugeben, was wir in unserer Einbildung als solche gefunden zu haben glauben!“ Für diese seine Überzeugung von der Wahrhaftigkeit unseres Glaubens verstand er seine Umgebung zu erwärmen und wußte auch Andersdenkenden Liebe und Hochachtung für das Judentum einzuflößen. Er hatte auch darum das seltene Glück, alle seine Schüler — mit wenigen Ausnahmen — in treuer Anhänglichkeit dem väterlichen Gesetze leben zu sehen, und Verirrte auf die rechte Bahn zurückzuleiten. Wetzlars Aufenthalt in Hanau währte diesmal neun Monate — es war gleichsam die letzte Feile, die er an seine theologisch praktische Ausbildung legte.*) Wiewohl die Trennung von seinem alten Meister ihm schwer ward, stellte er sich doch nunmehr dem Ministerium in Kassel zur Verfügung und bat um Übertragung eines Rabbiuats in Kurhessen. Da er gewohnt war, jede Änderung in seinem Lebensgange als eine providentielle Fügung zu betrachten, so mochte er sich um kein bestimmtes Rabbinat bewerben, wie er auch der Ansicht war, daß man eine einmal angenommene Stelle nicht willkürlich wechseln solle, wenn nicht etwa die Rücksicht Die Rabbinatsautorisation R. M. W’s ist in שו״ת מני משה seines Lehrers R. M. T. Sondheimers (S. X) abgedruckt [S. Adler}.