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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 274

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 274)
Language
German
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IRI
…/3486266-3486297--8725-3495105
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Wirkungen der Reformbestrebungen ans der westfälischen Konsistorialzeit, sowie die jüdischen Gemeindeverbältnisse in Kurhessen näher kennen, was auf seine spätere amtliche Wirksamkeit als Rabbiner von nicht geringem Einfluß war. — Neun Jahre hat R. Mordechai Wetzlar zn den Füßen seines Meisters gesessen, und wie wünschenswert auch für seine Familie in Fulda und für seine eigene Zukunft die Wahl eines Lehensberufes ihm erscheinen mochte: mit einiger Genugtuung hat er stets das Los gepriesen, welches ihm so ״ins Liebliche gefallen war“, daß er seinen Vorsatz ausführen durfte, volle neun Jahre nicht zu weichen aus dem Zelte Mosche’s. III. Studienjahre. Rabbi Mordechai Wetzlar, dessen Absicht es nie gewesen, den Rabbinerstand zu wählen, entschloß sich endlich, dem Drängen seiner Bekannten nachgebend, sich auf den Besuch einer Universität vorzubereiten und befleißigte sich in den letzten Jahren seines Aufenthaltes in Hanau des Studiums des Lateinischen und der profanen Wissenschaften. Zwar rieten ihm ältere Freunde, durch traurige Erfahrungen ängstlich gemacht, sich sofort um ein רבנות zu bewerben; allein er erkannte mit klarem Auge das Bedürfnis der Zeit und sah wohl ein, daß, wie Pleßner einmal zutreffend sagt, wer einen Ertrinkenden erretten will, sich nicht scheuen darf, ihm selbst in den Strom nachzuspringen. — Er freilich konnte auch unbesorgt sein, er konnte ruhig seiner lang geübten Kunst im Schwimmen vertrauen, denn von ihm konnte man sagen: יראתן קודמת?1חכמתו. Eben deswegen sah er auch später mit tiefem Herzleid das leichtsinnige Auftreten vieler junger Rabbinen mit an, die nach seiner Überzeugung nur darum so leichtfertig Reformen einführten und dadurch an einer vermeintlichen Fortbildung des Judentums zu arbeiten wähnten, weil sie eben erst nach erlangter Universitätsbildung noch schnell und notdürftig, von der Notwendigkeit gezwungen, nicht aus frommem Sinn, ein oberflächliches Wissen im Talmud sich anzueignen gesucht hatten. ״Diese Reformrabbinen, meinte er, könnten ihre eigne Blöße und Unwissenheit nicht besser bedecken als dadurch, daß sie talmudische Bildung für einen überwundenen Standpunkt erklärten, akademische Bildung

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