Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 272)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486297--8723-3495103- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24? kraft besonders günstig. Babbi משה טוביה, bekanntlich eine talmudische Berühmtheit, besaß eine selbst für die damalige Zeit ungewöhnliche Gelehrsamkeit und batte in einem Alter von 17 Jahren die התרת הוראה erhalten. Er war, als der junge Wetzlar nach Hanau kam, schon ziemlich bejahrt. Mit der Vielseitigkeit des Wissens verband er praktische Einsicht, und auch die Erzeugnisse der jüdisch-philosophischen Literatur waren ihm nicht fremd, ein Umstand, der für den jungen Mann insofern maßgebend war, als auch er Zeit und Fleiß auf dieses Studium verwandte. Die Beife des Meisters und seine reiche Lebenserfahrung kamen dem Jünger zugute, und um die günstige Situation zu vervollständigen, waren damals besonders talentvolle Bachurim auf der ישיבה und unter ihnen Söhne wohlhabender Eltern, die nur לשם שמים lernten und später teilweise Kaufleute wurden. — Wenn in dem Wesen so vieler Menschen-das leicht verzeihliche Bestreben zu liegen pflegt, ihre eignen Verdienste und frühen Leistungen zu rühmen, so war Babbi Mordechai Wetzlar hingegen stolz darauf, die Talente und Vorzüge aller seiner הברים hervorzuheben, und ich erinnere mich u. a., daß er einen der jüngsten, Babbi Koppel Löwenstein, dem nachmaligen Rabbiner in Gailingen, dem Verfasser des ״Anti-Thariag*, nachrübmte, er habe schon bei seiner Hinkunft nach Hanau hundert סימנים im יורה דעה auswendig gekonnt. Den Ernst des jüdischen Lebens und Strebens unter den Bachurim förderte allerdings der gute Geist, welcher damals der Hanauer Gemeinde innewohnte, und dessen Schöpfer kein anderer als der Hanauer Kabbiner selbst war. Jüdisches Leben war da^ mals freilich auch noch in anderen Gemeinden in reichem Maße vorhanden, aber das Vorwalten der jüdischen Lehre hatte bereits begonnen, in auffallender Weise abzunehmen, und selbst viele, die im Herzen aufrichtige Juden waren, hielten in der neuangebrochenen Ära das Studium der Tora für Privatleute doch unzeitgemäß und verfehlt. Der Hanauer Babbiner indessen verlangte von allen Gemeindegliedern ausnahmslos תלמוד תורה; ja, er würdigte den keines Blickes, der nicht selbst ״lernte* oder seine Söhne, nicht lernen ließ, und da stand keiner gern zurück. Wenn ein frommer Jude abends die ״Gasse“ darehwandelte, so war es ihm erhebend, aus jeglichem Hause den bekannten Gemara-Niggun zu vernehmen, der Zeugnis von dem lebhaften Verkehr mit den Folianten,