Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 270)
- Language
- German
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Erinnerungen an Rabbi Mordechai Wetzlar דל«. Von Lehrer M. J. Japhet זצ״ל, Frankfurt a. M. I. Jugenderinnerungen.1) Rabbi Mordechai Wetzlar ist im Jahre 1801 in Fulda geboren. Seine Kindheit ragt also noch in die Zeit zurück, in welcher jüdische Gesetzestreae in den Gemeinden wie in den Familien noch die Regel war und der Abfall als eine befremdende Ausnahme galt, in der der Unterricht im Hebräischen noch vorwaltete und das jüdische Familienleben selbst die Schnle bildete, worin die Religiosität ihre Quelle und ihre Nahrung fand. — Öffentliche Schulen existierten damals nur wenige, ein sogenanntes Cheder sorgte für den Unterricht in Pentateuch mit Raschi, Schulchan- Aruch, erste Propheten und Lesen und Schreiben, während die Mädchen in der Regel auf Privatunterricht angewiesen waren. Eltern, welche ihren Söhnen eine über das Schulziel hinausreichende talmudische Vorbildung gewähren wollten, mußten einen Hauslehrer halten. In Fulda vereinigten sich gewöhnlich mehrere wohlhabende Familien zu diesem Zwecke, welche dann zur Besoldung des Talmudlehrers gleichmäßig beisteuerten. — Dem alten, in bescheidenen Verhältnissen lebenden Wetzlar ward es schwer, sich einem solchen Verein anzuschließen, und der wißbegierige Knabe wäre nie zum Lernen gekommen, wenn nicht ein wackerer Privatmann, (dessen x) Der bekannte Frankfurter Pädagoge M. J. Japhet sehrieh diese Erinnerungen bald nach dem Heimgange R. M. Wetzlars. Als wertvoller Beitrag zur Geistesgeschichte der Juden Deutschlands im 10. Jahrh. wurde der Aufsatz aus dem Nachlaß des Verfassers von Herrn Prof. Heinemann- Breslau der J. L. G. freundlichst zur Verfügung gestellt. Abgesehen von einigen Kürzungen wurden nur ganz unwesentliche Änderungen vorgenommen.