Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 265

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 265)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3486266-3486297--8716-3495096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

240 Was Mohammed zu der Behauptung in Sure IX, 30 veranlaßt haben könnte, ist nicht ersichtlich. Sie hat wahrscheinlich ihren Ursprung in der großen Verehrung, deren sich der Prophet und Schriftgelehrte Esra in allen Zeiten erfreut hat. Wurde ja ״Esra größer als Aharon zu seiner Zeit“ gehalten und ״hätte sogar die Tora empfangen, wenn sie nicht Mosche bereits erhalten hätte“. Die Verherrlichung Esras liegt natürlich nahe, da selbst die Tradition ihn vielfach mit Mosche in Beziehung bringt und auf gleiche Stufe stellt.*) Aber diese Verherrlichung ist im jüdischen Schrifttum1 2) niemals so weit gegangen, wie es im Koran geschildert wird.3) Auch sonst leben in der islamischen Sage noch viele Nachrichten von Esra als dem Gesetzeshersteller, wie ihn uns die Schrift darstellt und er in der Überlieferung weiterlebt. Mohammed glaubte hier vielleicht eine Gelegenheit gefunden zu haben, um den Gotteseinheitsglauben der Juden verdächtig machen zu können.4) Dieser Ausspruch der Sure IX, die zu den spät-medinischen Suren gehört und von vielen für die späteste gehalten wird5), wird — gleichsam um Mohammed zu entschuldigen — von Abid ben Omajr einem gewissen Pinchas, Sohn des Asaria, beigelegt. 6) Der 1J Sanhedrin 11a (Note 158), Sauhedrin 21b (Note 107), Menachoth 45 a (Note 59), P. Tos. Menachoth 231 (Note 121), Jalkut II, 1014 (Note 42) u. a. — Zwischen Persönlichkeit wie auch Wirken von .משד und עזרא finden sich viele Ähnlichkeiten, zu denen noch die (angeblich) gleiche Lebensdauer von 120 Jahren hiozukommt. *) Horovitz, Koranische Untersuchungen S. 127, vermutet, daß Mohammed auch die Esra-Apokalypse vorgeschwebt habe, der zufolge (IV. E. 14, 9) Esra von den Menschen entrückt und fürderhin bei Gottes Sohn sitzen würde; evtl, auch IV. E. 14,14. Möglicherweise hatte Mohammed von einer Sekte gehört, die Esra in ähnlicher Weise verehrte wie gewisse Sekten den Melchi Zedek, s. Epiphan. Haeres LV 1—9. s) Bei D* Herbelot S. 691 u. d. W. Ozair ist zur Erklärung der Koranstelle aus mohammedanischen Erklärern und Geschichtsschreibern manches angeführt, das allerdings alles nur Esras Gesetzeserneuerung — übereinstimmend mit dem Talmud — aussagt. 4) Geiger, Was hat ... S. 191. 5) Muslim II, 64 f. Alwähidis A. an. in der Einleitung. Codex Lug dunensis 653. Albaidäwis Komment. 56. •) Elpherar zu IX, 30.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.