Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 262)
- Language
- German
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237 erste schätzte sich glücklich, der andere aber litt große Pei», denn alles Gold und Silber wog ihm nichts gegen die heilige Rolle. In derselben Stadt aber wohnte ein Gottesleugner. Ihm verdroß es, daß der Erbe den ganzen Reichtum für eine Scbriftrolle hingegeben hatte, und er sann auf Böses. Er schlich sich verkleidet in das Bethaus, in dem die Schriftrolle lag, und wartete ab, bis alle hinausgegangen waren. Danach holte der Gottlose die Rolle aus dem Schrein und schlug sie an der Stelle auf, wo es heißt: Ihr sollt dem Herrn, eurem Gotte dienen. Hier kratzte er den Buchstaben Ajin aus und schrieb dafür ein Alef, wodurch der Vers zu einer Gotteslästerung wurde. Er lautete nunmehr: Ihr sollt den Herrn, euem Gott, verderben. Der Frevel blieb einige Zeit unentdeckt, kam dann aber doch zum Vorschein. Als der Besitzer der Schrift das erfuhr, wurde er vor Schmerz krank; er sagte sich, daß, selbst wenn der Schaden noch gutgemacht würde, die Rolle doch nimmer als eine Handschrift Esras angesehen werden könne. In der Nacht aber erschien ihm sein verstorbener Vater und sagte, daß man unter dem Tisch des Bethauses nachsehen solle; man werde da das Auge des Gottlosen finden. Gleich nachdem er nämlich den Buchstaben Ajin ausgekratzt hatte, war ihm sein rechtes Auge aus der Höhle gefallen. Also ging an ihm der Spruch -- Auge um Auge — in Erfüllung. Ferner befahl der Verstorbene, den Fehler nicht zu verbessern, denn es sei vom himmlischen Gerichtsrat bestimmt worden, daß Esra selbst dieses tun solle. (Maassim Tobim 10.) 6. ״Die sieben Hirten“: Der Lehrer R. Isaak Akuhab, er ruhe in Frieden, war sich über die Schreibweise einiger Worte nicht klar. Da reiste er nach andern Ländern, wo sich alte Hand- Schriften befanden, um in diese Einblick zu nehmen. Er erfuhr, daß es in einem Orte eine Handschrift von der Hand Esras gab. Dort wollte er nun hin. Es fugte sich aber, daß er an einem Freitag Nachmittag in ein Dorf kam und es schon zu spät war, um vor Anbruch des Sabbats die Stadt zu erreichen. Er suchte eine Herberge auf und fragte, ob hier zehn Judäer beisammen wären, um den Gottesdienst mit ihnen abzubalten.