Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 215)
- Language
- German
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190 Sabbatverbote der nachpentateucliischen Zeit mindestens, so lange das Volk geschlossen und unabhängig in seinem Lande lebte, nichts anderes sind als Differenzierungen des Grundgedankens der Thora, entsprechend einem verfeinerten und differenzierteren Leben, insbesondere in den Städten. Inwieweit dann nach dem ersten Exil Abweichungen und Verschärfungen anzutreffen sind, wird sich im Verlaufe der nachfolgenden Untersuchung ergeben. Eine besondere Erwähnung des Niederschlags der Halacha im Tur und Schulchan Aruch erübrigt sich an dieser Stelle.1) Damit sind wir mit der vorexilischen Zeit zu Ende. Nach dem Exil beginnt mit der Rückkehr die Restauration mit besonderer Betonung der religiösen Reorganisation. An der Spitze steht Esra, der Sofer, d. h. der Schriftkundige! Der Geist, aus dem heraus diese Rückkehr sich vollzieht, ist der Geist der Thora, vorbereitet durch die eindringlichen Mahnungen Jecheskiels (s. o. S. 170/1 u. 173). Für Esra ist er die Richtschnur. Aber erst Nechemja gelingt es, erfolgreich praktische Arbeit zu leisten. Mit aller Strenge schreitet dieser gegen die Sabbatverletzung ein. Auch für ihn ist die Sabbatheiligung einer der Angelpunkte des ganzen jüdischen Lebens. Hatte er schon in der Abgrenzung von der anders lebenden Umwelt in Kap. 10 (V. 32) auf das Verbot von מקח יסמבר hingewiesen, so gibt ihm das Verhalten der Rückkehrer an den Sabbattagen Gelegenheit, auch im einzelnen Sabbatentweihungen zu rügen und zu verbieten. Der Gedanke, daß die Zer- Störung von Tempel und Land und die Verbannung des Volkes Mensch, der von sich mit Recht sagen könnte, daß sein ganzes Tun und Lassen all’ das, was die Gebote an sozial-ethischen Forderungen enthalten, bereits voll erfülle, kann sich doch nicht aus dieser Tatsache darauf berufen, daß er damit die Freiheit von den מצורת erreicht habe; denn schon seine Kinder müßten, der Erfahrung des Lebens gemäß, diese Stufe wieder neu zu erreichen suchen, was nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als diese Wegweiser sinnvollen Lebens immer wieder neu zu befolgen und zu halten. Womit selbst aus. solchen, nur von der menschlichen Erfahrung und Vernunft aus gestellten Überlegungen zwingend geschlossen werden muß, daß an der Unentbehrlichkeit der formalen und inhaltlichen Erfüllung der Gebote nicht gerüttelt werden kann. *) Vgl. auch zu Nech. 13,22, unten Seite 192.