Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 205)
- Language
- German
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180 daß der Sabbat sich noch nicht durcbgesetzt hätte.1) Vielmehr ist schon daraus, daß eine vorsinaitische Zeit, die der Wüstenwande!־ rung, ein bestimmtes Sabbatverbot (Mannalese2) gleichbedeutend mit Speisenzubereitung) vorhanden war, daß ferner der Dekalog das ausdrückliche Arbeitsverbot am Sabbat normiert, daß schließlieh in der späteren 40 jährigen Wüsten Wanderung ausdrückliche Ahndungen für die Überschreitung der Sabbatheiligung durch Arbeit (Holzsammeln3)) angesetzt werden, und daß erst das neue folg״ saniere Geschlecht für würdig gehalten wurde, das ״Land“ zu betreten und zu erobern, zu entnehmen, daß bei Beginn der Eroberung die Sabbatheiligung, wie sie den Bedürfnissen des nomadischen Lebens (kein Feuermachen, im Zelte bleiben, keine Speisen zubereiten, das Lager nicht verlassen etc.4)) entspricht, strenge eingehalten wurde.*י) b) Beleuchtung der einzelnen Stellen. Dieser Auffassung widerspricht es auch nicht, wenn uns im Buche Josua deutlich wird, daß von den sieben Tagen der Einkreisung Jerichos einer, wenn nicht gar der Tag der Eroberung *) Hamburger Realeuzyklopädie Bd. I Art. Sabbat. *) II. Mos. 16, 23—29. *) IV. Mos. 15, 32-36. 4) Ähnliche Bräuche heute noch bei den Falaschas in Abessinien. 6) Im übrigen sei es noch gestattet, darauf hinzuweisen, daß alle bibtischen nachpentateuchischen Bücher von ein und demselben roten Faden durchzogen sind, nämlich die Geschichte des Volkes im Lichte des Gehorsams oder Ungehorsams gegen Gott, seinen König und dessen Gebote zu Schilder#!. Geschichte ist also hier nicht Bericht von Tatsachen für sich allein, weder in wirtschaftlicher, soziologischer, medizinischer, hygienischer oder irgend einer anderen Beziehung wissenschaftlicher Teildisziplin, sondern immer in der Beziehung des Verhaltens des Volkes zur göttlichen Führung, also religiöse Geschichte, die aber, da sie alle Lebensgebiete umfaßt, zugleich die universelle Geschichte ist. Denn alles wissenschaftliche Wissen bleibt Teil wissen, solange es nicht aus der Einstellung zur reinen Gotteserkeuntnis gewonnen und so in deren Licht getreten ist. Erst dann wird es 311m Wissen selbst, weshalb jede wissenschaftliche Forschung mindestens, von der Einstellung ״ich weiß, daß ich nicht weiß“ (יודע שאיני יודע) ausgehen und so ihre menschliche Grenze einhalttn muß. (Vgl. dazu die Ausführungen z. S. 164 Anm. 3 u, zu S. 174/5.)