Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 199)
- Language
- German
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174 damit verbundene schärfste Kampf zwischen zwei entgegengesetzten Welten und Lebensauffassungen, spielt sich nicht an der Oberfläche ab. Es geht hier um die entscheidenden Zeichen und Symbole der angegriffenen jüdischen Weltanschauung. Antiochus Epiphanes IV. (175—164 v.), der Exponent der weltlichen Macht und griechischer Sitte, versucht Beschneidung und Sabbat, kurz, das aufzuheben, was die entscheidenden Stützen dieses jüdischen Lebens waren. Klar und deutlich sagt uns dies das 2. Macc. Buch1): ״Weder Sabbatfeier war möglich noch die Beobachtung väterlicher Feste, noch durfte sich einer merken lassen, daß er überhaupt ein Jude sei.״ Aber der Angriff trifft auf eine große Zahl Gesetzestreuer, die lieber den Tod erleiden, als ihren jüdischen Pflichten untreu werden. In dieser Zeit tritt uns der Typus Mensch entgegen, der für seine letzten entscheidenden religiösen Grundanschauungen und Pflichten zu sterben weiß. Und wenn wir hören, wie ganze Teile der jüdischen Bevölkerung sich von den Syrern abschlachten lassen, nur um am Sabbat nicht kämpfen zu müssen, so zeigt uns dies, daß die Sabbatheiligung schon sehr lange vorher eine weitgehende und strenge gewesen sein muß. Natürlich kommt hinzu, daß das Vorgehen der syrischen Heerführer (vor allem des Apollonius, I. Macc. 1, 30, II. Macc. 5, 25 insbes.) die zu Beginn des Ein־ dringens der Syrer in das Land die Friedfertigkeit der Bevölkerung während der Sabbattage listigerweise dazu ausnützen, diese zu unterwerfen, ja sogar abzuschlachten, den Juden deutlich vor Augen führen mußte, daß es nicht nur um ihre äußere Unterwerfung, daß es vielmehr sogar um Sein oder Nichtsein ihrer religiösen Kultur ging. Wären deren Grundeinrichtungen dem Volke nicht längst vorher in Fleisch und Blut übergegangen, so wäre die Zuspitzung dieses Kampfes, die sogar zu einer gewissen Art von Überspitzung führte (nicht einmal Verteidigung am Sabbat! II. Macc. 6, 11 u. I. Macc. 2, 29—41) nicht denkbar gewesen. Die halachisch gebotene Korrektur, die zur Erlaubnis der Verteidigung am Sabbat, ja zur Pflicht dazu führt, setzt auch dann bei Beginn des Maccabäeraufstandes unter Mattathias2) ein. Näheres darüber, vor allem über die Gesichtspunkte der Begründung und l) a. a. 0. 6, 6. *) I Macc. 2, 29-41.