Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 191)
- Language
- German
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16Ö Wie es zuerst den Führer Moscheh erfaßt, um durch ihn erst auf das Volk, d. i. die Gemeinschaft, überzustrahlen, wie also diese aufgehende Sonne zuerst die Spitze des Berges berührt, um nach und nach den ganzen Berg zu erleuchten, so ist die Einsetzung des Sabbats und seine Heilighaltung zunächst in die Hand der Führer und der dem ״Dienst“ am nächsten stehenden Priester und Leviten und in deren Verantwortung gelegt, wird aber auch von ihnen im Volke entsprechend seiner Lebensart und seinem Kulturzustand sofort verankert. Es ist also nicht so, als ob die Masse des Volkes erst im Laufe der Geschichte diese Erkenntnis aufgenommen und ins Leben übertragen hätte. Es ist vielmehr so, daß mit der Verkündung der Offenbarung, ja schon vorher in der Praxis (Mannahlese am Sabbat) sich die Sabbateinrichtung in den wesentlichen Grundlichtungeu «,Arbeitsverbot und Ruhehaltung) verwirklicht, daß aber durch den Übergang von einem Kulturzustand in den anderen, von der Nomaden Wirtschaft in die der Ackerbauer, die Sabbateiurichtungen immer wieder nach Praxis und Theorie sich differenzieren, und zwar deshalb, weil eben das Leben selbst vielgestaltiger wird. Mit dem Aufblühen des Landes und Aufkommen Wirtschaftliehen Wohlbefindens und ״Sättigung“ vergißt das Volk dann immer wieder seine Traditionen und fällt zu Götzendienst (Einfluß Fremder, insbesondere fremder Frauen) und zu Sabbatentweihung ab, bis selbst die Hüter der Religiosität, die Priester, ihre Aufgabe vergessen und die Katastrophe des Untergangs in unabwendbare Nähe rückt. Nun erst wird das Gewissen wach; nach, dem Verlust von Tempel und Selbständigkeit wird der alte Sabbat im Wiederaufbau nen gegründet, findet steigende und verschärfte Anwendung, um schließlich nach dem Untergang des zweiten Tempels eine alle, auch die kleinsten Lebeusregungen umfassende Regelung zu erhalten. Dieser Prozeß ist bis Ende des 16. Jahrhunderts insoweit abgeschlossen, als er das ganze damalige Leben erfaßt und umfaßt und im Schulchan Aruch widerspiegelt. Dieser ist die Grundlage der praktischen Halacha geworden. Mit ihn! sollen nun die Sabbatquellen außerhalb des Pentateuchs bis einschließlich der Apokryphen und Pseudepigraphen verglichen werden.