Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 189)
- Language
- German
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164 haltuog und die mit ihm verbundenen sittlichen Forderungen folgerichtig in den Mittelpunkt aller jüdischen Lehre zu stellen. So knüpft denn auch das künstlerische Volksgut, das sich in Agadah und Midrasch immer neu schöpferisch zu diesem Angelpuukt ״Sabbat“ äußert, mit Recht an den Gedanken richtiger Sabbateinbaltung, gepaart mit richtigem Verhalten gegenüber aller Kreatur, den Gedanken der Erlösung aus fremder Unterdrückung. Das gilt besonders dann, wenn das Volk seine wirtschaftliche und politische Selbständigkeit verloren hat und außerstande war, frei den Dienst im Tempel, am Land und an der Gemeinschaft, seinen religiösen Lehren gemäß, auszuübeu. Wie nämlich die Erlösung aus Ägypten erfolgt war vor der Offenbarung, so ist die richtige Einhaltung der Offenbarungsgebote gefolgt von der richtigen Freiheit. So ist Israel zu solcher Erlösung sofort wieder reif, wenn es auch nur zwei Sabbate nacheinander richtig ein hält, da der Sabbat alle anderen מצרת aufwiegt (גשקולה שבת כנגד כל המצות 2אלמלי משמרים ישראל שתי שבתות כהלכתם מיד נגאלין) So meint denn diese jüdische Erlösung Befreiung aus menschlieber Unterdrückung zu Menschenfreiheit, aber auch hin zum göttliehen Dienst, das ist zu höchster Bindung, die sich auswirkt in den Gesetzlichkeiten sinnvollen Verhaltens zwischen Mensch und Mensch uud Mensch und Kreatur, ausgedrückt in den Geboten, die mit dein Sabbat beginnen. Das Sabbatgebot, das so Schöpfung, Offenbarung, Erlösung gleichermaßen bedeutet, knüpft damit das ewige Band zwischen Gott und Mensch. Der Sabbat wird zur ewigen Einrichtung, gemäß deren göttliche Werte ins menschliche Leben übersetzt und übertragen werden. Dadurch allein sind wir imstande, au Gottes Werk in der Weit immer neu mitzuschaffen.3) &) Jeruschalmi Nedarim Iil 38 b. *) Babli Sabbat 118b: Rabbi Jochanan von R. Simon b. Jochai. *) Nicht aber heißt dies Freiheit zu eigener Willkür. Denn diese wäre gleichbedeutend mit Götzendienst, weil jede zu starke Ichliaftigkeit der Mensehen sie in die Gefahr bringt, ihre eigenen Projektionsbilder für die Wahrheit anzusehen. Oder anders gesagt, weil die Gefahr der Imagination, der E i n -bild-ung uns dort Bilder vortäuscht, wo bei entsprechender Freiheit vom eigenen Ich gar keine vorhanden sein können. Diese Bildgefahr bedeutet Götzendienst, ganz gleich, ob sie zur tatsächlichen Anbetung von Schuitzpuppen fuhrt oder nicht.