Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 188)
- Language
- German
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163 meint und heischt richtiges Verhalten der Menschen (zunächst dieser Menschengrappe) gegenüber jedweglicher Kreatur. Damit ist Schöpfung, Offenbarung und Erlösung in dieser Vorschrift unausgesprochen aneinandergekettet. Oder auch: die Erkenntnis von Gott dem Schöpfer enthält die Gewißheit von Gott dem Erlöser aus Irrtum und Wahn, aus falscher Erkenntnis und falscher Menschenprojektion und fordert dementsprechend besonderes Verhalten gegenüber aller Kreatur als auch von Gott geschaffenen Geschöpfen. So wird für Israel als Zeichen der Selbstbesinnung auf den Schöpfer die Sabbatrube entsprechend dem Buhen Gottes bei der Schöpfung befohlen und eingesetzt. Die Sabbatruhe, an der nicht nur der Israelite, sondern auch die ihm unterstellte menschliche und tierische Kreatur teilhaben soll. Die übrigen Gebote 5—10 dienen ausschließlich dem zweiten Gesichtspunkt der Bichtunggebung im Verhalten der Menschen untereinander. Ist so das Sabbatgebot ein solches, das richtiges Menschentum aus richtigem Verhalten Gott gegeuüber zu zeitigen vermag, so ist es als Angelpunkt der 10״ Gebote“ erkennbar. Demgemäß ist auch die Einhaltung des Sabbats bzw. seine Mißachtung im Laufe der Geschichte von besonderer Wirkung. Diese Erkenntnis taucht immer wieder im Laufe der ersten Jahrhunderte der jüdischen Geschichte im Munde derer auf, die als die berufenen Künder1) göttlicher Mahuung und Zurechtweisung das abgeirrte Volk auf den richtigen Weg zurückznführen versuchen. Dieselbe Erkenntnis ist es auch, die nach dem Untergang von Israel und später Juda Künder und Beorganisatoren dazu führt, den Sabbat, seine Heiligl) Der Begriff Prophet von gr. 7z()0(fcciv£G&txi>, das ist ״durch ein Zeichen vorher verkünden“, ist nicht identisch mit dem, was die Bibel unter נביא meint. Die Künder der Bibel kündeu nicht unbedingt, sondern gleichsam bedingt, also etwa nach der Formel: ״Wenn ihr das und das nicht tut oder ja tut, dann wird das und das von Gott aus geschehen“; womit es in das Ermessen und den Willen der Angeredeten gestellt wird, so zu tun wie bisher oder umzukehren und den richtigen Weg einzuschlagen. Der Gebrauch des Wortes Prophet ist also nur mit dem Ausblick auf diesen Hintergrund, (zu dem noch andere Momente der Unterscheidung kommen, z. B. das der Auftragserfceilung) gebrauchbar, am besten wird man wohl ״Gottesmann״, vielleicht auch gerade noch ״Künder“ sagen können. 11*