Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 187)
- Language
- German
- Belongs to
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162 nächst auf den Fahrer, den Mann Moscheh. Erst also ergeht der Ruf Gottes an eine individuelle, aber an die Gemeinschaft hingegebene Persönlichkeit, die dann die Befreiung des erkorenen Volkes unter Begleiterscheinungen zu vollziehen hat, die der ganzen aufhorchenden damaligen Welt deutlich und sichtbar vor Augen führen, daß ihre bisherige Gotteserkenntnis irrig war. Erst darnach, and nach vielen und schwierigen Umwegen ergeht derselbe Ruf an das ganze Volk, an eine in der Hauptsache Stammes- und familienmäßig zusammenhängende Menschengruppe, die es damit übernimmt, diese neue Erkenntnis in die Welt zu tragen. Die lapidaren Sätze, in denen diese neue Erkenntnis Gestalt gewinnt, das eben sind die 10״ Gebote“. Versucht man diese auf die Richtungen hin durchzuprüfen, in die sie deu Menschen uud sein Leben hincinstellen wollen, so kann man zweifaches unterscheiden: Einmal: das Verhältnis von Gott zu Mensch und, daraus folgend, das Verhalten des Menschen gegenüber Goit. Sodann: aus dieser ersten Richtung zwangsläufig sich ergebend, mit ihr unlöslich verknüpft, das Verhalten der Menschen untereinander, das Verhalten zwischen Mensch und Mensch und auch das Verhalten der Menschen za der ihnen unterstellten Kreatur. Mit dem Verhältnis Gottes zu den Menschen beginnt das erste Gebot: Gott stellt sich den Hebräern als der vor, der sie, ihnen und allen sichtbar, merkbar, erfahrbar, soeben aus menschlicher Knechtschaft befreit hat. Und nachdem sodann die Sätze des 2. u. 3. Gebotes, die diese neue Gotteserkenntnis und Gotteserfahrung iti dieser Menschengruppe Israel, neue Richtungen weisend, neues Verhalten heischend, verankern, verklungen sind, ersteht mit dem 4. Gebot, dem Sabbatgesetz, vor unseren Augen eine Forderung, die Verhalten Gott gegenüber mit Verhalten der Menschen untereinander und des Menschen zur Kreatur verbindet. Diese Forderung enthält eine Begründung, die aber im Gegensatz zu der historischen Begründung des ersten Gebotes über menschliche Geschichte weit hinausgreift und Weltengeschichte meint, also sich auf kosmisches Geschehen gründet. Oder mit anderen Worten, das Sabbatgesetz fußt in der Geschichte von der Erschaffung der Welt durch Gott den Schöpfer, also in der Schöpfungsgeschichte. Und sein Inhalt