Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 170

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 170)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3486266-3486297--8621-3495001
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

145 überlieferten Jadentum losgesagt hatte, in weitesten Kreisen der Judenheit das Verständnis weckte für den unüberbrückbaren Gegen- 8atz zwischen diesen ßeformrabbinern und dem Judentum der Tora. Das Gefährliche an diesen Rabbinen und Predigern war ja gewesen, daß sie zumeist nicht von einem Bruche mit dem Judentum, sondern täuschend von seiner ״Fortbildung“ sprachen. Für die Taktik dieser Verführer bezeichnend waren die Worte Holdheims, mit denen er es rechtfertigen wollte, daß er von der Versammlung sich seine verhältnismäßig noch konservative Synagogenordnung mit dem bisherigen Gebetbuch bestätigen ließ, während er gleich darauf für radikale Änderung der Gebete eintrat. Er erklärte brutal: ״Ich habe die Zustimmung dieser Versammlung verlangt zur Beruhigung einiger in meinen Gemeinden. Ich hoffe aber, daß in zehn Jahren schon meine Gemeinde so weit sein wird, daß sie auch einen weiteren Fortschritt als Bedürfnis anerkennen wird.“ Das war das Gute an der Veröffentlichung des Protokolls der Versammlung, daß nun jeder deutlich erkennen konnte, was die wirklichen Absichten Qoldheims und seiner Genossen waren. Mochten sie ihre Zusammenkunft auch großspurig ״Die Versammlung der Rabbiner Deutschlands“ nennen, die jüdische Öffentlichkeit wußte, daß sie nicht die Rabbiner Deutschlands waren, sondern einige Rabbiner und Prediger, die in ihrer Mehrheit sich vom überlieferten Judentum losgesagt hatten. Die wahren religiösen Führer der deutschen Judenheit standen auf der anderen Seite, der Seite der Tora. Die beiden folgenden Versammlungen in Frankfurt und Breslau verstärkten noch die Wirkung der Braunschweiger. Der bis dahin tief gehende, aber an der Oberfläche oft unkenntliche Biß, trat deutlich zu Tage. Die Feststellung war und ist schmerzlich. Ihr allein ist es aber zu verdanken, daß nicht die Gesamtheit der deutschen Juden allmählich Opfer der Zersetzung wurde. 1 S. Protokoll, S. 60. Eine im einzelnen scharf kritisierende, aber im allgemeinen wohlwollende Besprechung erschien von einem nicht genannten ״geachteten Gelehrten“, der an der Versammlung nicht teilgenommen hatte, im ״Literaturblatt des Orients“ 1845, Nr. 4—0. Jahrbuch der J. L. G. XXU. 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.