Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 170)
- Language
- German
- Belongs to
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145 überlieferten Jadentum losgesagt hatte, in weitesten Kreisen der Judenheit das Verständnis weckte für den unüberbrückbaren Gegen- 8atz zwischen diesen ßeformrabbinern und dem Judentum der Tora. Das Gefährliche an diesen Rabbinen und Predigern war ja gewesen, daß sie zumeist nicht von einem Bruche mit dem Judentum, sondern täuschend von seiner ״Fortbildung“ sprachen. Für die Taktik dieser Verführer bezeichnend waren die Worte Holdheims, mit denen er es rechtfertigen wollte, daß er von der Versammlung sich seine verhältnismäßig noch konservative Synagogenordnung mit dem bisherigen Gebetbuch bestätigen ließ, während er gleich darauf für radikale Änderung der Gebete eintrat. Er erklärte brutal: ״Ich habe die Zustimmung dieser Versammlung verlangt zur Beruhigung einiger in meinen Gemeinden. Ich hoffe aber, daß in zehn Jahren schon meine Gemeinde so weit sein wird, daß sie auch einen weiteren Fortschritt als Bedürfnis anerkennen wird.“ Das war das Gute an der Veröffentlichung des Protokolls der Versammlung, daß nun jeder deutlich erkennen konnte, was die wirklichen Absichten Qoldheims und seiner Genossen waren. Mochten sie ihre Zusammenkunft auch großspurig ״Die Versammlung der Rabbiner Deutschlands“ nennen, die jüdische Öffentlichkeit wußte, daß sie nicht die Rabbiner Deutschlands waren, sondern einige Rabbiner und Prediger, die in ihrer Mehrheit sich vom überlieferten Judentum losgesagt hatten. Die wahren religiösen Führer der deutschen Judenheit standen auf der anderen Seite, der Seite der Tora. Die beiden folgenden Versammlungen in Frankfurt und Breslau verstärkten noch die Wirkung der Braunschweiger. Der bis dahin tief gehende, aber an der Oberfläche oft unkenntliche Biß, trat deutlich zu Tage. Die Feststellung war und ist schmerzlich. Ihr allein ist es aber zu verdanken, daß nicht die Gesamtheit der deutschen Juden allmählich Opfer der Zersetzung wurde. 1 S. Protokoll, S. 60. Eine im einzelnen scharf kritisierende, aber im allgemeinen wohlwollende Besprechung erschien von einem nicht genannten ״geachteten Gelehrten“, der an der Versammlung nicht teilgenommen hatte, im ״Literaturblatt des Orients“ 1845, Nr. 4—0. Jahrbuch der J. L. G. XXU. 10