Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 172)
- Language
- German
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Das Memorbuch von Oettingen. Von Louis Lamm• Berlin. Das Oettinger Memorbuch wurde vor etwa 200 Jahren angelegt, doch ist es heute nicht mehr in der ursprünglichen Form vorhanden. Vor etwa 100 Jahren ist es einer Änderung unterworfen und dabei wohl umgebunden worden. Beschrieben sind 22 Papier* und 2 Pergamentblätter (in 4°), und außer diesen sind viele unbeschriebene Blätter von einer anderen Papiersorte zugebunden. Von den hekannten und in jüngster Zeit mehrfach bearbeiteten Memorbüchern1) Süddeutschlands unterscheidet es sich nicht wesentlich; dem liturgischen Teil ist eine »Kegel für Maskir* (für Märtyrer) beigefügt. Dann folgen 36 Psalmen für Kranke, Vorschriften über Namensänderung von Schwerkranken und sonstige Krankengebete. Einen größeren Kaum nehmen die Fürstengebete ein, die mit einem הנותן תשועה für Franz Albrecht, ״wirkl. Geheimrat ihrer Kais. Mayestät u. Kurfürstl. Kammerherr, Reichsgraf zu Oettingen-Spielberg“ beginnen. Dieses Gebet steht zweimal im M. B. und in verschiedener Schrift. Da dieser Graf v. Oettingen 1735 von den Juden 153 Gulden als Hochzeitsgabe erhielt, ist ein Hinweis auf das Entstehungsalter des M. B. gegeben. — Es folgen dann Gebete für den Kanzler Dorscht und dann für weitere Oettingen-Oettingen und Oettingen-Spielbergsche Magnaten, ihre Frauen und Kinder und schließlich, da Oettingen an Bayern fiel, für Angehörige des bayerischen Königshauses, letztere auf den bereits erwähnten Pergamentblättern. — *) Ich verweise hier besonders auf die interessante Arbeit ״Untersuchung über das Wesen des Memorbuches“ v. Dr. M. Weinberg (Jahrb. XVI d. Jttd.- Literar. Gesellsch. 1924)• HP