Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 168)
- Language
- German
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143 deutschen Judentums hinzustellen. In den von R. Hirscb und R. E. A. Prins in Amsterdam gesammelten Gutachten erhoben zahlreiche Rabbiner Mitteleuropas klagend und anklagend ihre Stimme gegen den Frevel am Heiligtum.1 2 Entrüstet wies der greise R. Abraham Auerbach in Bonn, der Neffe und Schwiegersohn R. David Sinzheims, die Behauptung zurück, das französische Sanhedrin habe die Mischehe gestattet.3 Wenn R. David Sinzheim und seine Kollegen im Sanhedrin vorsichtig gesagt hatten, daß die Mischehe keine religiöse Sanktion bekommen kann, sie aber nicht ausdrücklich für verboten erklärt hatten, so fühlten sie sich durch die politische Lage hierzu gezwungen. Dasselbe bezeugte auch Rabbiner Löwenstamm in Rotterdam im Namen seines Vaters.4 — Übereinstimmend geißelten die Gutachten die Leichtfertigkeit und Anmaßung der Braunschweiger Versammlung. Im ersten Gutachten, dessen Verfasser die Teilnehmer der Versammlung, genauer kannten, wird betont, daß drei Viertel von ihnen überhaupt gar nicht fähig zu rabbinischen Ent- Scheidungen seien. — Empört war man darüber, daß die Mehrheit der Versammlung sich geweigert hatte, die Mila als unerläßliche Verpflichtung eines jeden Juden zu erklären, daß ohne Zurecht- Weisung seitens des Vorsitzenden Redner offen erklären konnten, die Autorität des Talmuds sei nicht maßgebend, sie, die Versammelten hätten für die Gegenwart dieselbe Bedeutung wie die ״Männer der großen Versammlung“ für ihre Zeit, und sich anmaßten das Judentum ״fortzubilden“ und Vorschriften der Tora und der Weisen anzutasten. Ganz besonders verhängnisvoll empfand man den Versuch, an den Ehegesetzen zu rütteln und hierdurch einen dauernden Bruch der Familienbande im jüdischen Volke hervorzurufen. Wer den Worten der Verführer, die sich Führer nannten, folgte, war in Gefahr, daß seine Nachkommen auihörten, legitime Söhne und Töchter des jüdischen Volkes zu sein. — Um 1 ניסן תר״דו II; תורת הקנאות 1 אמשטרדם אדר תר״ה. Besonders beachten»- wert ist das Gutachten S. R. Hirschs. 2 S. a. J. Deutsch, Würdigung %der Braunschweiger Rabbmerversammlung, Breslau 1845; D. Deutsch, תם אסוף אסיפה Protestation geg. d. Versammlung, Sohrau u. Breslau 1746. 3 Tor, Hakenaot, S. 2 a. * Ibid. S. 7a.