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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 164

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 164)
Language
German
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139 phischen und halachischen Grundlagen der Fragen tiefer einzngeben, oder auch nur den Versuch zu machen, sie systematisch zn ordnen, wurde von den meisten Rednern mehr kühn als verständnisvoll debattiert. Die Anregung Bodenheimers, erst einmal über die Glaubensgrundsätze zu sprechen und dann über ihre Behandlung im Gebetbuch, wurde wenig beachtet. Seine Mahnung, geeignete religiöse Lektüre für das Haus zu schaffen, den Siddur und die hebräische Gebetsprache als das gemeinsame Band der Israeliten aller Länder zu erhalten, wurde von den meisten Rednern bekämpft. Der eine Prediger des Hamburger Reformtempels, Dr. Frankfurter, verlangte völlige Umgestaltung der ganzen Liturgie.1 Man solle sich nicht vor Angriffen fürchten. Die ״laute Stimme der Zeit“ mahne, und die Zukunft werde danken, wenn die Versammlung ״Gottes Stimme mehr höre als der Menschen Rede.“ Sein Kollege Salomon sang ein Loblied über die Erfolge des Hamburger Tempels,2 der bei Hunderten eine religiöse Wiedergeburt bewirkt habe. Wie die meisten anderen Redner bekämpfte er die hebräische Gebetsprache. Er mußte sich allerdings von dem Eschweger Rabbiner Goldmann sagen lassen, daß die ungeordnete polnische Synagoge in Leipzig auf ihre Besucher religiös mehr wirke als der Tempel mit seiner herrlichen Ordnung. ״Die Tempel seien anständig, die polnischen Synagogen religiös.“3 Gegenüber der Forderung Goldmanns, die Jugend müsse erst Hebräisch lernen und dann Lateinisch, meinte Salomon, dafür sei keine Zeit. Man dürfe den Kindern nicht zumuten, ״die unentbehrlichsten Kenntnisse liegen zu lassen und Hebräisch zu lernen/‘ — Rabbiner Kahn aus Trier wollte den hebräischen Unterricht aus den Schulen nicht verdrängen, weil die Bibel in hebräischer Sprache geschrieben ist.4 Hirsch ans Luxemburg meinte, das Hebräische müsse im Gottesdienst erhalten bleiben, da es sonst ganz vernachlässigt würde.4 Unbedingt für Erhaltung der hebräischen Gebetsprache war Schott.5 Philippson wollte sie zumindest neben der deutschen Sprache in der Synagoge beibehalten.6 Die Juden seien das Religionsvolk und die hebräiscbe Sprache die vollendete Religionssprache. Herzfeld7 fand es wohl richtig, wenn in deutschen Synagogen deutsch, in französischen 1 S. 55. 5 S. 54. 2 S. 47. 6 S. 60. 3 s. 4a 2 S. 61. 4 S. 58.

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