Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 162)
- Language
- German
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13? Grundsätzliche Übereinstimmung herrschte in der Versammlung über die Forderung, daß der entwürdigende Judeneid abgeschafft werden müsse.1 Philippson wünschte, daß der Eid auch weiter in Anwesenheit des Rabbiners abgelegt werde und eine religiöse Form habe. Dabei entschlüpfte ihm unter Protest der Majorität die Bemerkung, daß die alten Juden hinsichtlich des Eides mehr Gewissenhaftigkeit gehabt hatten als die neueren.2 Im Laufe der Debatte beantragte der Hamburger Tempelprediger Dr. Salomon die Ab- Schaffung des — wie er sich ausdrückte — ״berüchtigten״ Kol Nidre3; man müsse aus den Gebetbüchern alles streichen, was Anlaß zu Verdächtigungen geben könne. Einstimmig wurde der Antrag angenommen. — Gelegentlich eines Antrages, die Rabbiner sollten Listen über die Beschneidung führen, wurde auch die Ab- Schaffung der Meziza gewünscht.4 Als darauf der Bandegger Rabbiner Schott meinte, man solle doch auch einmal etwas Positives tun und die unerlässliche Verpflichtung der Israeliten zur Beschneidüng aussprechen, wandte sich der Vorsitzende dagegen, die Fragen zu vermengen. In einer späteren Sitzung5 beantragte Dr. Hess aus Eisenach, der Redakteur des ״Israelit des neunzehnten Jabrhundertu, die Versammlung solle erklären, sie beklage es, wenn einige Glaubensbrüder ein so wichtiges und allgemein heilig gehaltenes Gesetz wie das der Beschneidung nicht mehr beobachten. Doch betrachte sie auch diejenigen, die das Bescbneidungsgebot nicht beobachten, als zum israelitischen Glaubensverband gehörig und lasse sie zum Eide und zum Zeugnis und zur Eheschließung mit einer Jüdin zu. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde aber über den Antrag zur Tagesordnung übergegangen, ״um nicht den Leidenschäften den Zutritt zur Versammlung zu gestatten״, da der Gegenstand gerade in diesem Augenblick so viel Leidenschaft errege. Mau wollte nicht einmal in der von Hess vorgeschlagenen zurückhaltenden Form gegen den radikalen Frankfurter Reformverein Stellung nehmen. Zu scharfen Auseinandersetzungen führte der Antrag des Predigers Dr. Jolowicz über ״die zeitgemäße Umgestaltung der jüdischen Ehescheidung'4,6 besonders als Holdheim die Einsetzung % 1 S. 34 ff. 4 S. 43 ff. * S. 37. Ä S. 79 f. S. 38. S. 30.