Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486297--8607-3494987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
131 sich der Tiefe des weltanschaulichen Gegensatzes gar nicht hewußt und hofften, daß allmählich das Reformjudentum das deutsche Judentum werden würde. In der Öffentlichkeit vertreten wurde der Gedanke zuerst von Ludwig Philippson, dem Rabbiner der Magdeburger Gemeinde, dem Herausgeber der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums"6. Die Vorbereitung der Rabbinerversammlung. In der dritten Nummer des Jahrgangs 1844 seiner ״Allgemeinen Zeitung, des Judentums“ richtete er an ״alle Rabbinen und jüdische Geistliche Deutschlands“ eine Aufforderung zur Abhaltung jähr« lieber Versammlungen.1 * * Als ihren Zweck nannte er: 1) das Kennenlernen und die Annäherung der jüdischen Geist- ' liehen untereinander; 2) die gemeinsame Anregung in der Führung des Amtes; 3) das gemeinschaftliche Unternehmen allgemeiner Werke und Institute; 4) die gemeinsamen Beratungen über alle israelitischen Angelegenheiten. Zum dritten Punkte rechnete er: jüdische Fakultäten und Seminarien, ein Hospital in Jerusalem, Literaturvereine. In der Begründung der Notwendigkeit der Versammlung klagte Philippson über den Indifferentismus und über innere und äußere gewaltige Feinde der jüdischen Religion. Es handele sich nicht mehr um Einzelheiten sondern um den Gesamtinhalt der Religion, die man in ihrer Reinheit darstellen müsse, ״um sie vor der totliehen Starrsucht einerseits, vor dem erkaltenden Unglauben andererseits zu retten und zu sichern.4 Mit großem Pathos fordert er alle auf zu kommen, keine Meinung dürfe ausgeschlossen sein. Da er mit der Bekämpfung der ״tätlichen Starrsucht4 ziemlich deutlich auf die Vertreter des überlieferten Judentums anspielte, und da es für sie ohnedies eine eigenartige Zumutung war, gemeinsam 1 Die erste Anregung zur Einberufung einer Rabbinerversammlang bekam Philippson von Dr. Lilienthal in Petersburg. Von Dr. Levi in Gießen hatte Philippson die gleiche Aufforderung erhalten, als er bereits seinen Aufruf verfasste. Über den späteren Streit Levis mit Philippson vgl. ״AUgem. Ztg. d. Jdtras“ 1844, S. 117 ff. 9*