Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 155)
- Language
- German
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130 neuen Rabbiner scharfe Kritik übten. Und schließlich waren es gerade die Kreise, in denen das religiöse Leben am kräftigsten pulsierte, während die Freunde dieser ßabbinen aller Religion im Grunde recht gleichgültig gegenüberstanden. Wollte man schwerste Kämpfe und ein Zerreißen der Gemeinden vermeiden, mußte man Konzessionen machen, die man innerlich ablehnte. Man fühlte sich auch gezwungen, die religiöse Zulässigkeit der Reformen öder die Laxheit der Lebensführung religionsgesetzlich zu begründen, Obwohl man theoretisch die Verbindlichkeit des Toragesetzes bestritt. In Aufsätzen schrieb man recht kühl und kritisch ablehnend, aber in den Predigten vermied man, klar darüber zu sprechen. — Die Reformen in den einzelnen Gemeinden zeigten ein recht buntscheckiges Bild. Ihre Ausdehnung war weniger von Grundsätzen als von vorsichtigem Opportunismus bestimmt. Man ging so weit, wie man hoffte, es ohne zu schweren Widerspruch durchführen zu können. Zeigte sich zu starker Widerstand, zog man sich zurück. So hatte fast jede Gemeinde andere Reformen. Die Ungleichmäßigkeit in den Reformtempeln stach unangenehm ab gegen die Gleichmäßigkeit des Gottesdienstes in den orthodoxen Bethäusern. — Noch peinlicher war den Reformrabbinern die Unsicherheit in Leben und Lehre. Man wußte nicht, wie man sich verhalten sollte. In der einen Gemeinde durfte man den himmelstürmenden Neuerer spielen, in der anderen mußte man sich den Formen der alten Rabbinen anpassen. Nicht geringere Unsicherheit herrschte in diesen Kreisen über die Grundsätze des Glaubens. Was durfte man ablehnen, was mußte man annehmen? Es lag nahe, daß sich die Reformrabbiner zur gemeinsamen Beratung über ihren Standpunkt und ihr Vorgehen zusammenschlossen. Der erste Versuch hierzu bedeutete die Zusammenkunft einiger Reformrabbiner aus Südwestdeutschland i. J. 1837 in Wiesbaden bei Geiger. Doch hatte die Beratung wenig dauernde Bedeutung. — Das Bedürfnis eines näheren und dauernden Zusammenschlusses wurde immer stärker. Man dachte nicht nur an eine Aussprache der Reformfreunde. Einige mehr tatkräftige als tiefer schauende Männer schmeichelten sich mit der Hoffnung, durch regelmäßige Beratungen aller Rabbinen Deutschlands, der orthodoxen Wie der neologen, eine Synode bilden zu können, die über alle religiösen Zerklüftungen hinweg eine einheitliche ״deutsch-jüdische Kirche“ schaffen würde, Sie waren