Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 157)
- Language
- German
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132 mit den Gegnern der Überlieferung über Erhaltung des Gesamtinhaltes der Religion zn beraten, so war es von vornherein zu erwarten, daß die unbedingt toratreuen Rabbiner die Versammlung nicht beschicken würden. In späteren Nummern seiner Zeitung veröffentlichte Philippson die Namen der sich anmeldenden Rabbinen.1 Zumeist gehörten sie der ausgesprochenen oder halben Reform an. Unter den Angemeldeten waren auch einige bayrische Rabbiner, denen aber später von der Landesregierung die Erlaubnis zur Reise nicht gegeben wurde.2 Manche Rabbiner ließen sich durch die hohen Kosten von der Reise nach Braunschweig zurückhalten. Mehrere Rabbiner, die ursprünglich ihr Kommen zugesagt hatten, wie Mannheimer in Wien, Frankel in Dresden, Mich. Sachs in Prag, kamen nicht. Sie wollten nicht gemeinsam mit Männern der radihalsten Reform über Mittel und Wege zur Stärkung des Judentums beratschlagen. In einem längeren Artikel ließ sich Fraukel3 über die geplante Versammlung aus. Er warnte vor allem davor, Beschlösse zu fassen, hierzu sei eine nur von amtierenden Rabbinen beschickte Versammlung nicht berechtigt.4 Hauptzweck der Zusammenkunft müsse die geistige Hebung des Rabbinertums sein. Zur Versammlung kommen sollten nur Männer mit Liebe zum Judentum, deren Ziel sei, den Glauben zu festigen.5 ״Wen die Lust nach Destruktion, wen das Verlangen, den Vernichtungsprozeß in Gang zu bringen, herbeiführt, der hat aus solchem Vereine sich selbst ausgeschlossen, hat dessen Wesen, und Zweck verkannt. Die projektierte Versammlung muß auf positivem Boden ruhen, muß streben, die mannigfach leichtsinnig abgerissenen Fäden wieder aufzunehmen, den Wert des Judentums zu erhöhen und ihn der oberflächlichen und wissenschaftlosen Negierung gegenüber zur Geltung zu bringen.“ Diese Ausführungen Frankels waren eine scharfe Absage an Holdbeim, dessen destruktive Arbeit über ״die Autonomie der Rabbinen und das Prinzip der jüdischen Ehe“ er in demselben Bande seiner Zeitschrift einer vernichtenden Kritik unterzog. Doch Holdheim und seine Gesinnungsgenossen kamen nach Braunschweig. Das war Grund genug für Frankel, fern zu 1 Eine Liste der Namen enthält Nr. 19 des Jahrganges. * Vgl. Allg. Ztg. d. J., S. 371. * Zeitschrift f. d. relig. Interessen des Judentums 1844, S. 89—106. 4 A. a. 0.f S. 92. * S. 106.