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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 154

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 154)
Language
German
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129 war die Zahl der auf den Universitäten ansgebildeten orthodoxen Rabbinen klein, ihre Wirkung war fast nar an! ihre Gemeinden beschränkt, und auch hier konnten sie selten alle mit sieh reißen. Von großem Einfluß auf die Stärkung der gesamten deutschen Orthodoxie waren allerdings die ״Neunzehn Briefe“ und der ״Chaurew“ S. R. Hirschs. Hunderten waren sie Wegweiser. — Aber die Mehrheit der in den größeren Gemeinden führenden Männer lehnte den mächtigen Ruf S. R. Hirschs zum Toragesetz ah. Sie suchten ja gar nicht harmonischen Ausgleich von Tora und Allgemeinkultur. Sie hatten sich vom Gesetz nicht aus innerer Überzeugung abgewandt, sondern aus Gleichgültigkeit und dann, um nicht in ihrer Lebensführung behindert zu werden. Ihnen war Hirsch nur ein unbequemer Mahner, den man nicht hören wollte. Gewiß war es ihnen angenehm, wenn auch orthodoxe Rabbinen die Formen des europäischen Kulturlebens annahmen und von Nichtjuden Anerkennung erhielten. Doch die Hauptsache war ihnen die Rechtfertigung ihrer religionsentfremdeten Lebensführung. Hier halfen ihnen die allgemeingebildeten orthodoxen Rabbinen nichts, im Gegenteil, sie nahmen ihnen noch die Selbsttäuschung, Bildung und Religionstreue seien unvereinbar. Ihren Wünschen entsprachen Männer wie Geiger und seine Freunde. Durch sie wurde die längst geübte Übertretung des Toragesetzes nicht nur geduldet; sie wurde theoretisch begründet, ]a schließlich als das allein wahre Judentum hingestellt. Mehr konnte man nicht verlangen. Hatte man sich bis jetzt doch im Inneren manchmal Skrupel gemacht, hatte man die Vorwürfe der Toratreuen hinnehmen müssen. Jetzt hatte man für alles die Antwort: Die wissenschaftliche Forschung habe nachgewiesen, daß man gar nicht so unbedingt verpflichtet sei, das Religionsgesetz zu beachten. Das wahre Judentum verlange es gar nicht. Deshalb: Kampf gegen das veraltete Judentum. Das Heil kann nur vom modernen Judentum, dem Reformjudentum kommen. So freudig die neuen Rabbiner, die Reformrabbiner von den Vorständen ihrer Gemeinden begrüßt wurden, es stellten sich doch ihren Reformversuchen manche Schwierigkeiten in den Weg. In fast allen Gemeinden gab es Männer, die sich den Reformen des Gottesdienstes, vor allem der Einführung der Orgel, widersetzten und an den Predigten und der persönlichen Lebensführung der ü Jahrbuch der J. L. 6. XXII.

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