Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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41 [1] Item mer hat er bekant, das er ungeverlieh bei 4 oder 5 jaren, nächsten vergangen, zu der heiligen osterlicheu Zeiten nngepeicht das hochwirdige sacrament zu Alczsach, lig bei 4 meil wegs von Speir, empfangen, das behalten und bab dan gen Krauthaym, lig zwen meil von Mergetbaim, gangen und den Juden daselbst mit namen Snßkind, Schmoll, Waraeh und Ysack den Juden umb 18 Reinisch guidein verkaufft, und die vermelten Jaden haben dasselbig sacrament gemartert, dorein gestochen and säst groß acbentlieh smah angelegt und gethan, und er hab auch mit einem hnffnagel selb dorein gestochen, da sey drei plueten dropffen daranff erschynnen, by der marter1) sei er auch gewesen. [2] Und die vermelten Jaden schickten in mit demselben hochwirdigen sacrament gen Bamberg, das pracht er einem Jaden, haißt maister Jacob, was ir obrister. Derselb maister Jacob, auch Seckel Jud, Ysack Jud und ir todtengraber und Schmoll Jad, die haben dasselbig hochwirdig sacrament auch gemartert und groß schmäh angelegt und dorein gestochen, dorauff sein drei pluetdropffen erschynnen, dabei sei er auch ge. wesen und gaben im drei oder 4 guidein darfur.2 *) [3] Item mer hat er bekennt, das er eins*) mit einen Juden, genant Schalman, der ist alt and tregt den Juden zu Regenspurg wasser4) in einer puttung, zu wintterzeitt auff einen schlitten gefaren sei gen Beheim, da hab derselbig Schalman Jod in ein cruzefyce gestochen und gehawen auff den veld. Danach hat Reichart eine Hostie, die er als Christ ohne Beichte empfing, in Krautheim bei Mergentheim an genannte Juden verkauft, die in seiner Gegenwart in die Hostie stachen, sie marterten. Auch er selber habe mit einem Hufnagel hineingestoeben.5) Dann schickten ihn die Krautheimer Juden mit der Hostie nach Bamberg, wo wiederum in seiner Gegenwart dortige genannte Juden, unter ihnen Rabbi Jacob, die Hostie marterten. Wie in Krauthehn seien auch hier drei Blutstropfen auf der Hostie sichtbar geworden. Die Krautheimer und Bamberger Bezichtigungen genügten jedoch dem Delinquenten noch nicht. Regensburg lag näher als die beiden Orte, und es mußte ja nicht immer Hostienschändung sein. So griff Reichart zur Beschuldigung, daß der Regensburger Jude Schalman in ein Kruzifix gestochen und gehauen habe. *) Seitens der genannten Juden. 2) Obgleich er die Hostie schon angeblich in Krantheim verkauft batte. Die 3 Gld. sollten wohl Bringerlohn sein. *) So. Gemeint ist wohl: einst. 4) Die Regensburger Liste 1476 nr. 37 führt einen Wasserträger Mendel auf. Sonst sind noch mit diesem Berufe Isaac und Jacob bekannt. Siehe Jahrb. S. 376, ö) Um die ganze Lügengeschichte glaubhafter za machen, beschuldigte sich Reichart selber des Mitfrevels.