Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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40 gerichtet, bei dieser im Gefängnis gefunden wurde. Der Text möge als kulturhistorisches Dokument — im 15. Jahrhundert wohl das einzige seiner Art — hier folgenx): ליבי ורונדין דו ליבי קרון איך כתבן די ויל דו ענטוו ( מיד ניכציט אונ דו ניט כתבן קנשט און די עינוים | איך וועד מומן מיט דעם עידון רידן אוב איך ביי ג, | זן קונט צו גוט אויש מכן שיק די הויב ווידר העתים | הייש דש לוך דאהרן ור מכן זוך דיא פולבר אין איינם | אפיל הושט וואן ה ימים ברייב גוט דויצש ניי אים | Der Regensburger Rat brauchte nicht erst aus Passau von Sakramentsschändungen zu hören. Ihm waren solche Anklagen gegen Juden aus eigener Erfahrung bekannt. Gemeiner berichtet2) z. J. 1475,‘ daß damals ״ein Jude der hiesigen Gemeine wegen Mißhandlung des h. Sacramentsu verbrannt worden sei. Die Notiz bedarf nur insofern der Richtigstellung, als der Prozessierte nicht ein Regensburger Jude, sondern ein Christ aus Mosbach (Baden) Namens Reichart gewesen ist, der, als Jude geboren, im Alter von neun Jahren getauft wurdet Er war durch ganz Deutschland gezogen, hielt sich auch in Berlin auf, ließ sich noch zweimal für Geld taufen, gab sich aber trotzdem bei Juden als Jude aus, beging verschiedene Diebstähle und kam schließlich ins Regensburger Gefängnis. Da ihm der Tod gewiß war, suchte er die ihm noch bleibende Lebensspanne dadurch zu verlängern, daß er Juden verschiedener Städte der Sakramentsschändung beschuldigte. 4) Seine dahin gehenden Aussagen folgen hier aus dem ״Bekenntnisbuch“5): *) Umschrift: Libi Frundin, du libi Krön. Ich kaswen [schreibej, di wil du eotwfern] mir nichzit un du nit kaswen kanßt on [ohne] di innujim [Schmerzen]. Ich wer [werde] morgen mit dem irun [Kämmerer] reden, ob ich bei gimmel Sonn [3 Wochen?] kunt zu gut auß machen. Schick di Haub wider heraus, heiß daß Loch dahran ver machen. Such die Pulver in einem Appel [Apfel], Hoßt wann he jomim [io 5 Tagen] breif [Brief] gut (lüzß [deutsch?], nei [nähe] im [ihm]. ף III, 559. s) Als Jude hieß er Ysack, sein ״Tadfc“ habe ihn bei der Taufe Reichardt nennen lassen. 4) Vgl. den gleichen Vorgang in Passau: ״Judenprozeß“ S. 42—43. 6) a. a. 0., Bl. 172 v.