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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1930-01-01 · XXI. (1930) · page 295

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXI. (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 295)
Language
German
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IRI
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289 eintreten sollten, die Gott verhüten möge, die Stadt als Zufluchtsstatte dienen könne. Die ersten Glückstädter Privilegien ans dem Jahre 1622 gestatteten den Portugiesen in sehr freiberziger Weise n. a. den Bau einer Synagoge, die Anlage eines Friedhofs und die Konzession für eine Druckerei. Durch die Wirren des 30jährigen Krieges, wiederholte Überschwemmungen und epidemische Krankheiten erlitt jedoch die anfangs aufblühende Stadt sehr bald erhebliche Rückschläge. Im Jahre 1630 wurde ein dritter Freibrief von Christian IV. ausgestellt, der portugiesische Siedler aus aller Welt, besonders aber aus Hamburg anziehen sollte. Diese neuen Privilegien variierten nur in wenigen Punkten von den früheren. Den Portugiesen wurde es wiederum gestattet, eine Synagoge zu bauen, und alle religiösen Übungen wurden zugelassen. Ausser, dass den jüdischen Kindern durch einen jüdischen Lehrer Religionsunterricht erteilt werden durfte, war es den Eltern auch erlaubt, ihre Kinder in die privaten und öffentlichen Schulen des Landes zu schicken. Kurz, die Portugiesen waren so gleichberechtigt, wie es ein jeder deutscher Bürger in anderen deutschen Landen sein konnte. Bald erlangten die Glückstädter Portugiesen in Schiffahrt, Handel und Gewerbe, auch im Überseehandel, eine führende Stellung, wie dies ja auch bis dahin den Portugiesen in Hamburg gelungen war. Aber diese günstigen Privilegien galten nur für Portugiesen, während sie anfangs (mit Ausnahme derer aus Wandsbeck) auf die deutschen Juden nicht ausgedehnt wurden; selbst der vorübergehende Aufenthalt der letzteren war mit Strafe bedroht. Als aber am Ende des 17. Jahrhunderts der Zuzug der Portugiesen nachliess, wurden mit Genehmigung des Magistrats auch deutsche Juden zugelassen, denen aber nicht die vollständigen Rechte der Portugiesen (z. B. Sitze im Rat der Stadt) eingeräumt wurden. Unter den ersten Portugiesen, die sich in Glückstadt nieder- Hessen, befanden sich Männer, die auch noch heute den Namen als bedeutende Gelehrte besitzen. Albertus Denis oder, wie er sich mit seinem jüdischen Namen nannte, Samuel Jachia, (aus dem Geschlechte der Jachiden, dessen Urahne Don Jachia ibn Jaisch vor beinahe 1000 Jahren Ratgeber eines spanischen Königs gewesen war, und dessen poetische Kinoth oder Klagelieder noch heutigen Tages, am 9. Ab, 19 Jahrbuch der J. L. G. XXI.

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