Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 266)
- Language
- German
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260 Juda Liwa b. Bezaleel, Neubauer im Katalog der Oxforder hebr. Handschriften, Reg. S. 954: Liwa of Prague uud Cowley im neuesten Katalog der Bodleiana (1929), S. 398: Liwa (Juda) b. Bezaleel. Kein Wunder, daß ihnen die Historiker blindgläubig folgten: Graetz. Gesck. IX4, 442—43: Liwa (Juda) b. Bezalel, der hohe Rabbi Leb; G. Wolf in Ztsehr. f. d. Gesch. d. Juden in Dtschl. I. 311: Lewa b. Bezalel, Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. II2, 321: Jehuda Liwa b. Bezalel und ebenso Kaufmann, Jair Chajjim Bacharach, S. 17 u. a. Um von entsprechenden Lesungen wie Liwa Landau (Berliner in Monatsschrift f. Gesch. u. W. d. Jdt. 1869, S. 320), Liwa Kircliheim (Kaufmann a. a. 0., S. 6), Liwa Oppenheim (ibid. S. 11 und Katalog Neubauer, Reg.), Liwe in Frankfurt a. M. (Horovitz, Inschriften, S. 721), Liwa aus Regensburg (Festschrift z. 70. Geburtst. Berliners, S. 194) u. a. hier zu schweigen. Dem gegenüber ist festzustellen, daß es einen deutschen Namen Liva oder Liwa gar nicht gibt. Er ist das Produkt einer falschen Lesung. Die richtige hat schon der Schreiber des Friedberger Gemeindebuches wiedergegeben, wenn er z. J. 1585 im genannten Gemeindebuche Hdschr. Bl. 72 r den Namen ליורא שטאפנבורג mit Zere vokalisierte. Den Namen Leva habe ich nur einmal gefunden und zwar in der czechischen Prager Judenliste d. J. 1546: Wolf a. a. 0. I, 184 und Bondy-Dworsky, Zur Gesch. d. Jud. in Böhmen etc. I, 379. Der Glaser Leva heißt dort offenbar Lev mit czecbischer Endung a, ohne diese Endung findet sich in derselben Liste noch achtmal ein Lev: Wolf S. 185—87 und Bondy- Dworsky S. 379 — 82. Der Prager Rabbi stammte aber nicht aus Böhmen, sondern aus Posen, mindestens war der Name aus der Rheingegend vererbt, wo die Juden deutsche Namen führten. Dort ist das א am Schlüsse im 16. Jahrhundert keineswegs a, sondern entweder ein unbetontes e oder stumm. Bei Bondy-Dworsky II nr. 772 ist ein Auszug aus den jüdisehen Gemeindebüchern Prags zum 24. November 1577 abgedruckt, in welchem sich 51 Gemeindemitglieder zur Anerkennung einer erwähnten Gemeindeordnung verpflichten. Die Unterschriften sind von dem Gemeindeschreiber aus dem Hebräischen übersetzt. An vierter Stelle heißt es: ״Juda Leb Bezalles (!) Sohn“. Sind auch die Übersetzungen nicht immer korrekt, jedenfalls ist die vierte