Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 218)
- Language
- German
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212 bildet. Das Bild von hinabsteigen fliessen, das in angeführten parallelen Versgliedern mittels des Verbums נזל gezeichnet wurde, ist auch in den Versgliedern mit dem Verbum רעף-ערף zu suchen, da auch in diesen Parallelversgliedern von hinabsteigen (wie es beim Regen der Fall ist) die Rede ist. Dieser Umstand allein zeigt uns, dass diese beiden Verba eines Stammes sein müssen. Es handelt sich bloss um eine metathesis litterarum, wie bei חגר חרג;לעג ־= עלג;גזר גרז;אנק נאק;חם רמז u. a. m., der wir in der Bibel oft auch bei Nomina begegnen. Diese beiden Stämme gehen wiederum auf das arab. פרע ״herabsteigen“1) zurück, das die Parallele von נזל bildet. So ist es gekommen, dass z. B. im Dt. 32,2 gesagt wird יערף כמטר לקחי תזל כטל אמרתי za Deutsch: Es steige herab d. h. es ströme, gleich Regen meine Lehre und es steige herab d. h. es fliesse gleich Tau meine Rede. Dazu passt das weitere Bild: wie Regenschauer auf das Grün (herabfällt), wie Regentropfen auf das Kraut. So ist auch der Gedankengang in Jes. 45,8 הרעיפו שמים ממעל ושחקים יזלו צדק. Lasset herabströmen, ihr Himmel von oben [Heil]2) und die Wolken mögen herabrieseln oder fliessen Sieg.3) 1) Zu dieser verschiedenartigen Stellung der Wurzellaute vgl. Barth a. a. 0. S. IH. und 1 ff. 2) Vgl. den folgenden Satz: תפתח ארץ ויפרו.ן ש ע וצדקה תצמח יחד Wie in verschiedenen Stellen im Jesaiabuche (z. B. 46,13; 51,5, 6, 7; 56,1; 61,10), ist ישע oder ישועה die Parallele vom folgenden צדק oder צדקה. Nach ממעל ist das dazu gehörige ישע oder ישועה als Parallele zum folgenden צדק einfach weggeblieben. Es ist geradezu merkwürdig, dass die Klassiker der Bibelexegese dieses verkannt haben und als Prädikat von הרעיפו שמים ממעל das צדק des folgenden Satzes angesehen haben. So kam es, dass Orelli (bei Strack-Zöckler) unsere Stelle wie folgt übersetzte: Lasset träufeln, ihr Himmel, von oben, dass Wolken von Wohltun rieseln. Ebenso schreibt Marti; die Himmel wirken auf die Wolken (von mir gesperrt. G ), die Wolken auf die Erde. — Zu meiner Annahme vgl. Rikmah von Ibn Gannah. Pforte 25 bezw. die hermeneutischen Regeln des R. Elieser Hagelili, Regel 9. *) Ob unter צדק nur ״Sieg“ oder ״der objektive Bestand an heilsamen Wahrheiten, Einrichtungen, Sitten, die Gottes Wort auch nach Kap. 31 ff.; 32,15ff.; 2,2ff. in Israel und dann auch unter den Völkern schafft“, wie Bernhard Duhm es haben will, zu verstehen sei, ist für den Sinn des Satzes irrelevant. Die erste, einfache Deutung als Parallele zu ישע scheint mir richtiger.