Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 204)
- Language
- German
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Exkurs III. Zar Stellung Rabbis in der Frage der Quadratschrift (vgl. Note 110). Gegen die Ansicht Rabbis wird eingewandt, dass die ältesten Funde, wie z. B. die Siloah-Inschrift aus der Zeit des Königs Hiskija, genau wie die Inschrift des Messa-Denkmals die althebräische und nicht die Quadratschrift aafweisen. Auch wird die Einführung durch Esra mit dem Hinweise darauf bekämpft, dass bis in die Zeit der Makkabäer die althebräische Schrift im Gebrauch war, wie die Funde der Makkabäer-Münzen beweisen. In Beantwortung dieser und anderer Fragen sucht Grünberg a. a.0. die Meinung Rabbis dahin zu interpretieren, dass — wie auch Maimonides zu Jadajim äussert — in Israel beide Schriftarten seit uralter Zeit beheimatet waren. Nur war die althebräische die yulgäre Schrift, die im Volk zu profeinen Zwecken verwendet wurde, wie auch zur Anfertigung von Inschriften auf Denkmälern und Münzen. Die rein jüdische Nationalschrift, die sogenannte כתב אשורי, trug hingegen den Charakter der Heiligkeit und wurde nur zum Schreiben von Torarollen, die im Tempel aulbewahrt waren, verwandt. Wissenschaftlich gesehen spricht für eine solche Möglichkeit das Vorhandensein der Hieratenschrift bei den Ägyptern. Somit ist auch erklärlich, dass die alte geheiligte Schrift in Vergessenheit geraten konnte. Die Quadratschrift wurde ja nur in den Torarollen verwandt, und diese sind bei der Zerstörung des Tempels vergraben worden. Eine weitere Stütze für obige Annahme ist die Überlieferung des Talmud8 in Megilla 2b und Sabbat 104a, dass die Fiualbuchstaben, nachdem sie einmal in Vergessenheit geraten waren, von den Propheten wieder eingeführt wurden. Die alt hebräische Schrift kennt nicht die Endbuchstaben מנצפ״ך, sondern nur die Quadratschrift. Mit dem Abhandenkommen der Tempelrollen mussten auch diese Finalbuchstaben in Vergessenheit geraten. Darum bedurfte man zum Schreiben der Sefer Tora bei der Entstehung des zweiten Tempels der Propheten, die das Vergessene wiederherstellten. Vgl. Note 112. Schliesslich verweist Grünberg noch auf die in Joma 38a behandelte Mischna, die für die Klärung der obigen Fragen von besonderem Interesse ist.