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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1930-01-01 · XXI. (1930) · page 203

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXI. (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 203)
Language
German
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197 Exkurs II. Entstehung der Quadratschrift. Die Frage nach der Entstehung von der hebräischen Sprache und Schrift gehört zu den schwierigsten Problemen der Wissenschaft, welche anch die Schriftveränderung durch Esra anzweifelt. Die neuere Forschung hält es för ״sicher, dass die Quadratschrift nicht allmählich aus der hebräischen, sondern aus der aramäischen Schriftart entstanden ist.“ Über die Frage, wann dieser Schriftwechsel eingetreten ist, hat auch die Wissenschaft zu keinem Resultat gelangen können. Aus der Fülle der Literatur, die die verschiedensten Thesen über Ursprung und Entstehungszeit der Quadratschrift kennt, seien nur kurz einige Werke genannt: Herzfeld (im II. Bd. der Jüd. Geschichte, Erkurs 21) bezweifelt die Veränderung durch Esra und will die assyrische Schrift aus der aramäischen und palmyräischen Schriftart abgeleitet wissen. Wellhausen (Bleek Einleitung... S. 580f.) bestreitet gleichfalls• dass Esra die graphische Veränderung improvisiert habe, sondern dieselbe sei erst später eingetreten. Die Ausbildung eines eigenen jüdischen Typus der assyrischen Schrift ist erst in mehreren Übergängen zu Beginn der heutigen Zeitrechnung vor sich gegangen. Nach Lidzbarski (S. 187—190) ist die Quadratschrift aus der syrischen Buchstabenschrift hervorgegangen, welche die Juden mit der aramäischen Sprache angenommen haben. Mit der Einführung jenes fremden ״assyrischen* Alphabets durch Esra verhalte es sich wohl so, wie mit manchem anderen angeblich von Esra eingeführten Brauch. Er wurde von Juden aus dem babylonischen Exil mitgebracht und bürgerte sich dann allmählich in Palästina ein. Auch L. Blau (Zur Einleitung in die Heilige Schrift S. 48 ff.) bestreitet die Richtigkeit der talmudischen Tradition und hält die Quellenangaben, aus denen die Tannaiten ihre Thesen zu schöpfen bezw. zu stützen suchen, für wertlos, da sie exegetischer Natur seien. Das erste Auftaueheu der assyrischen Schriftcharaktere sucht er in der Zeit der hasmonäiscben Erhebung und die endgültige Schriftreform in einer viel späteren Epoche. — Blau’s Einwände gegen die Beweisführung des Talmud sind wenig stichhaltig. Hier liegt eine אסכתא Anlehnung uralter fester Traditionen oder historischer Tat- Sachen an Verse der Heiligen Schrift vor. Nicht aber soll erst ״aus den von den Tannaiten beigebrachten Bibelstellen und deren Exegese die Behauptung, Esra wäre der Einführer der Quadratschrift, gefolgert oder bewiesen werden.* In den genannten Werken ist die weitere, in Frage kommende Literatur angegeben. Vgl. auch Gesenius-Kautzsch, Hebr. Grammatik ed. Bergsträsser (Leipzig 1918) S. 29—30 und die dort verzeichnete Literatur. Demgegenüber sei noch auf die jüdischen Werke hingewiesen, die bei der Behandlung des Schriftproblems vornehmlich die Tradition des Talmuds zur Grundlage nehmen: Asaria de Kossi im Meor Enajim Kap. 56. lsak Lamprenti im Pacbad Jizchok. Gmetz, Geschichte Bd. II, 2, S. 400ff. Abraham Berliner, Beiträge zur hebräischen Grammatik 1878, und neuerdings die interessanten Ans- Führungen von S. Grünberg ״Die ursprüngliche Schrift des Pentateuchs*.

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