Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 191)
- Language
- German
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185 III. Charakterisierung der Persönlichkeit Esras und seiner Wirksamkeit. 12. Kapitel. Die Wirksamkeit, die Esra zu Beginn des zweiten Tempels entfaltet hat, hat ihm im Urteil der Tradition den Bnf verschafft, der ihm als bedeutenden Mann und Führer Israels zukommt. Die bisher dargestellte Schilderung seines Lebens und Wirkens zeugt reichlich von seiner Klugheit und Weitsichtigkeit, von entschlossener Willenskraft und Grosszügigkeit des Handelns. Sein Wesen war von seltener Liebe zu Gott, seiner Tora und seinem Volke durchdrungen. Esras Massnahmen galten weniger dem äusseren Feinde, gegen den sich an seiner Seite besonders Nechemia wandte. Esra wollte den inneren Feind bekämpfen: des Volkes Unwissenheit in der Heiligen Lehre. Hierin erblickte er die Quelle der bisherigen Verirrungen, und darum setzten hier seine Massnahmen ein. Mit prophetischem Geist sah Esra die Entwicklung des jüdischen Volkes voraus. Um die Erhaltung der Tora zu sichern, traf er eine Fülle von Massnahmen, die wie ein ״Zaun“ den Pflanzengarten der Tora vor unerlaubtem Eindringen schützen sollten.140) Der Tradition gilt er als der grösste Bestaurator des Judentums. Deshalb werden ihm über die unter seinem Namen bekannten Verordnungen hinaus überhaupt alle die Tekanoth zugeschrieben, die ohne ausdrückliche Namensnennung ihrer Urheber überliefert sind.141) Die Auflösung der Mischehen musste natürlich politische Folgen nach sich ziehen. Hierauf nahm Esra keine Bücksicht. Schwierigkeiten behandelnden Literatur sei hier nur auf die ״Einleitungen“ von Rosenzweig und Grünhut sowie Zunz G. V. S. 18ff. verwiesen. 18») ygi. die Ausführungen im Anhang 111. 140) Die dritte der Maximen, die die Männer der grossen Versammlung aulgestellt haben (vgl. Note 134), lautet: ״Machet einen Zaun um die Lehre“, Aboth I, 1. Unter Hinweis auf Lev. 18, 30 sollen die Gelehrten die Gesetze der Tora erweitern, damit deren eigentliche Bestimmungen völlig unangetastet bleiben. »«) Seder Olam Suta Teil II S. 75: .כל תקנת סתם תקנת עזרא היא ״Im allgemeinen ist jede ״Tekana“ als eine von Esra erlassene Tekana an- Zusehen.“ Vgl. ibidem Anm. 11.