Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 186)
- Language
- German
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180 sie für lange Zeiten zum kostbarsten Kulturgut des Volkes zu erhöhen.126) Esra begnügte sich nicht mit der von ihm erlassenen Bestimmung, die Tora fortan mehrmals wöchentlich zu verlesen.127) Ihm lag hauptsächlich daran, die heran wach sende Jugend mit den Geistesschätzen der Tora vertraut zu machen. Von nun an sollte jeder einzelne wissen und tun, was Gottes Wille von ihm verlangt, und sollte von den Vorschriften der Tora durchdrungen sein. Hierfür war der Boden gut vorbereitet. Das Heiligtum war wieder erbaut, die Verbindung mit den Heiden unterbunden, die Mischehen wurden gelöst und die Samaritaner aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Dem Volk und besonders der Jugend sollten die Quellen der Belehrung und der Gotteserkenntnis zugänglich gemacht werden. Esra gründete deshalb eine öffentliche Lehranstalt für die Juden und sorgte dafür, dass in allen Städten des Landes gewissenhafte Lehrer eingesetzt werden.128) Sollte selbst mancherorts ltÄ) Sukka 20 a: דאמר ריש לקיש הריני כפרת רבי חייא רבניו שבתחלה כשנשתכחה תורה מישראל עלה עורא מבבל ויסדה חורה ונשתכחה עלה הלל הבבלי ״ ויסדה חורה ונשתכחה עלו רבי חייא ובניו ויסדוה ♦ .Resch Lakisch sagte; ich bin eine Sühne für E. Chija und seine Söhne (die Bedeutung dieses Ausdruckes wird in Raschi z. St. erläutert). Denn als ursprünglich die Tora in Israel in Vergessenheit geriet, zog Esra von Babylon herauf und begründete sie. Als sie später wiederum vergessen wurde, kam Hillel, der Babylonier, und begründete sie. Als sie dann vergessen wurde, kamen R. Chija und seine Söhne und gaben ihr einen Halt. — Zu drei Zeiten drohte in Palästina die Tora teilweise (Easchi) vergessen zu werden, und jedesmal wurde sie durch Gelehrte, die aus Babylon kamen, aufgerichtet. Das erste Mal durch Esra, dann durch Hillel, der (deshalb) Sota 48 b als ״Schüler Esras“ bezeichnet wird (vgl. Note 158), und schliesslich durch R. Chija. — Sifre (Deut. 48, S. 84b) und Midrasch Ta na im S. 43 haben die folgende Lesart: ומה אלו לא עמד שפן בשעתו ועורא בשעתו ור׳ עקיבא בשעתו לא היתד. תורה משתכחת מישראל... Und wenn Schapan (s. II Kön. 22, 2f.) zu seiner Zeit und Esra zu seiner Zeit und ß. Akiba zu seiner Zeit sich nicht erhoben hätten, wäre die Tora nicht vergessen worden? 127) Churgin, Targum Jonathan to the prophets. New Haven 1907, S. 38 bringt die Annahme der Karäer, Esra habe auch die Verlesung der Haftora eingeführt. 128) Baba Batra 21b: אמר רב יוסף ומורי רב הונא במקרי דרדקי דלא מצי מעכב דאמר מר (עורא תיקן להן לישראל שיהו מושיבין סופר בצד סופר וניחוש דילמא ״ אתי לאיתרשולי א״ל) קנאת סופרים תרבה חכמה ♦ .Es sagte Rab Josef: Rab Huna (s. Note 97) gibt zu, dass man [den Zuzug der] Lehrer nicht verhindern darf, denn (Esra ordnete an, dass man neben einem noch einen anderen Lehrer einsetzen