Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 182)
- Language
- German
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176 niemals in Gebrauch hatten und sich nicht von der bei ihnen üblichen und überlieferten Schrift trennen wollten.116) 10. Die Heilige Schrift. Hand in Gand mit der Schriftreform ging die Verbreitung der Texte. Um dem Volk das Verständnis und schnellere Erfassen der Heiligen Schrift zu erleichtern, führte Esra die Interpretation des Pentateuchs ein. Er erklärte und übersetzte den Text in die dem grösseren Teil des Volkes geläufige aramäische Sprache.117) So entstand der Targum zur Tora, der nach Esras Zeit in Ver- 116) Dass sich Esras Massnahme vor allem gegen die Samaritaner riehtete, führt u. a. Jawitz 111 Exkurs X aus. Auch Graetz, der sich ebenfalls für die demonstrative Schriftänderung durch Esra einsetzt, schreibt (II. S, 402) ״dass die Samaritaner aus Opposition und Antagonismus gegen die Judäer die alte Schrift beibehalten haben. In der Tat bürdeten sie den Judäern die Neuerung als Ketzerei auf, dass Esra (und Serubabel) die hebräische Schrift geändert... und die Tora in einer neueren Schrift geschrieben hätten.“ Bei den Samaritanern hat unsere Quadratschrift kurzweg den Namen ״Schrift Esras“ erhalten; s. Kirchheim, Karme Schomron S. 33f. 1W) Megiiia 3a, Nedarim 37b: אמר רב איקא בר אבין אמר רב חננאל אמר רב מאי דכתיב ויקראו בספר תורת האלקים מפורש ושום שכל ויבינו במקרא.. ״ ויקראו בספר תורת ה׳ זה מקרא מפורש «ה תרגוםRab ika, Sohn Abius, sagte im Namen von R. Chananel im Namen von Rab. Was ist gemeint (N VIII, 8): Und sie lasen in dem Buche der Lehre Gottes, erläutert und mit Angabe des Sinnes? ״Und sie lasen“ das ist der Text; ״erläutert“ das ist der Targum.“ Vgl. Megilla 18b, j. Megilla 1,9 und IV, 1, Gen. r. 36,8, Jalkut 11,61. 1071 u. Jalkut Beubeni II. — Bei der in N. VIII geschilderten feierlichen Verlesung der Tora erklärte Esra dem versammelten Volk den Inhalt der Schrift und übersetzte sie auf aramäisch. — Dass ״ מפורשerklären“ als ״übersetzen“ ausgelegt wird, ist im Sprachgebrauch nichts Ungewohntes. Das ״באר היטב״ (Deut. 27,8) wird im Talmud (Mischna Sota VII, 5) wie auch von den beiden Jerusalem. Targumim als Übersetzen der Tora in alle 70 Sprachen gedeutet Über die ״Übersetzung“ des Onkelos und Rabbi Tanchums ״Über- Setzung“ der Haftaroth vgl. die Hinweise von Grünbaum (Gesammelte Aufsätze S. 345). Dieser führt dort ferner aus, dass auch im modernen Sprachgebrauch das Gleiche vorliege. Deutschen und verdeutschen sowie to english wird gleichzeitig im Sinne von ״übersetzen“ und ״erklären“ gebraucht. Maimonides berichtet (Hilch. Tefiila XII, 10), dass man von Esras Zeiten an bestimmt habe, auch für die Übersetzung des verlesenen Abschnittes der Schrift Sorge zu tragen.