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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1930-01-01 · XXI. (1930) · page 93

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXI. (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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87 dargestellt wurde, dass an diesen Darstellungen immer noch unser eigenes Leben zu seinem vollsten Bewusstsein erwacht und dass demgegenüber die Hervorbringungen des modernen Geistes, weil sie von kraftloseren und innerlich weniger gesammelten Menschen stammen, ein weit blässeres und trüberes Bild der Grundtatsachen der Menschenseele geben als jene Erzeugnisse fernster Vergangenheit. Diese Worte Försters sind im hohen Masse geeignet, auch bei Forschungen auf Spezialgebieten Anwendung zu finden. Wer vermag zu leugnen, dass wir, die Nachkommen jener Ahnen der grauen Vorzeit, immer nur Stümperhaftes leisten und produzieren werden, wenn wir nicht sie als Vorbilder nehmen und auf den von ihnen erbauten Grundmauern unser Gebäude aufrichten. Denn alle unsere Erzeugnisse, deren Hervorbringung von dem Gedanken getragen werden, dass jeder Mensch in seinem Zeitalter berechtigt ist, oder sich verpflichtet zu fühlen hat, die Forschungen der früheren Jahrzehnte und Jahrhunderte umzuwerfen und dann erst zu versuchen hat, seine neue Theorie mit Beweisen zu belegen und zu verteidigen, können keinen dauernden Bestand behalten. Dort, wo die Kenntnis und der menschliche Verstand nicht mehr ausreicht, hat der Glaube einzusetzen, der Glaube an die historische Überlieferung, der nicht erschüttert werden darf durch baufällige Theorien, durch einen geistreichen Einfall, durch eine willkürliche Annahme. Fassen wir die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammen, so muss uns klar geworden sein, dass gegenüber allen anderen Theorien einzig und allein angenommen werden kann und darf, dass die Q. K. zwei vollständig gleichberechtigte Lesarten der heiligen Schrift sind, die zu ein und derselben Zeit überliefert wurden und nicht erst in verschiedenen Perioden entstanden. Das Q.ist die eigentliche Textuallesung nach dem inneren Zusammenhang in den Versen und der erzählerisehen Darstellung, während das K. einen geheimen Sinn verbirgt, der allerdings durch die Länge der Zeit in den meisten Fällen in Vergessenheit geraten ist. — ״Wir haben zwar einiges von dem, was man in der Schrift sucht, obgleich die ganze Schrift geistig ist, aufgefunden“, sagt Jerenaeus im zweiten Buch gegen die Ketzereien c. 28 ״einiges aber empfehlen wir dem Herrn, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der künftigen, damit der Herr immer lehre, der Mensch aber immer lerne, was vom Herrn ist“.

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