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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1930-01-01 · XXI. (1930) · page 92

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXI. (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 92)
Language
German
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86 einleuchtend erschien, für jüdische Grillen auszugeben. So dachte aber der heilige Hieronymus nicht. Dieser Kirchenvater erlernte unter den grössten Opfern die hebräische Sprache, weil er bei den Juden nicht blos den ächten unverfälschten Text der Schrift, sondern auch die wahre traditionelle Interpretation der verborgenen Hyroglyphen der alten Urkunden zu finden überzeugt war. Hieronymus kannte alle mystischen Formen der Bibel, er kannte das Al Tikra^ das K’thib und Q’ri, das Chasar und Maleh, die Th’murah, das Notarikon etc. Er hielt aber nicht, wie unsere heutigen Kritiker, diese Formen für jüdische Grillen, sondern sah in denselben tiefe, wunderbare Geheimnisse verborgen, wie er an vielen Stellen dies ausdrücklich bekennt. Gestützt also auf das Zeugnis eines so grossen Kirchenvaters, glauben wir es allerdings wagen zu dürfen, unsere Zeitgenossen auf einen so wichtigen, fast gänzlich vergessenen Gegenstand wieder aufmerksam zu machen, und nach einer fast anderthalb tausendjährigen Abirrung (mit wenigen Ausnahmen) eine von Grund aus neue Revision aller bisher geführten Verhandlungen über die masorethischen Verhältnisse zu veranlassen.“ § X. Schluss. Es ist höchst bedauerlich, dass seit einigen Jahrzehnten von den verschiedensten Seiten versucht worden ist, die unvergleichliehe innere Grösse der Schöpfungen, die wir in den vierundzwanzig Büchern der heiligen Schrift erblicken müssen, herabzusetzen, und dass man auf der Suche nach dem historischen Ursprung ihrer äusseren Bestandteile die Originalität ihres inneren und äusseren Lebens verdunkelte und verkannte. Gottfried Keller hat sich einmal darüber gewundert, dass das, was ״vor vielen Jahrtausenden unter fremden Palmen sich ereignete“ immer noch als sicherste Grundlage unserer modernen Lebensordnungen betrachtet werde. Und Friedrich W. Förster hat ihm geantwortet, Keller habe übersehen, dass das Ewig-Menschliche gerade damals unter jenen fernen Palmen so tief und künstlerisch lebendig empfunden und

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