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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1930-01-01 · XXI. (1930) · page 91

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXI. (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 91)
Language
German
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85 litten hat, dass sie irgend etwas schrieben, was er irgendwie nicht geschrieben wünschte, sondern es lag in der Macht nnd dem Wunsche des weisesten Urhebers, seinen Sinn durch irgendwelche Worte auszudrücken, so dürfen wir nicht einen einzigen Bnchstahen in demselben ausstreichen, wie es uns gefallen sollte.“ — Ebenso urteilt Stier (Einleitung, S. 54): ״.wahrscheinlich auch nicht blos kritische, sondern gleich mystische Bedeutung ist“. — Und als dritter und letzter sei hier Molitor zitiert, der in seiner Philosophie der Geschichte in richtiger Erkenntnis folgendes schreibt: ״Es ist also offenbar, dass das Q’ri keine kritische Verbesserung ist, sondern dass der Unterschied zwischen Q’ri und K’thib auf gewissen mystischen Gründen beruhet, mithin, wie der Talmud sagt, beides H-lach-ah ,vom Sinai sey. Das K’thib ist das Verborgene, das Q’ri das offenbarte.Aus diesem wenigen wird sich der unbefangene Leser überzeugt fühlen, wie schief die neue Kritik bei allen ihren grossen entwickelten Talenten alle diese Gegenstände auffasst, und die tiefere mystische Seite der Schrift gänzlich über• sehen habe, unleugbar hat die Bibel auch in ihrer äusseren Form eine Mystik und solches ist keine Erfindung späterer Zeiten, wie man jetzt allgemein glaubt.so unbedeutend es auch an sich für die Beligion zu seyn scheint, ob die Ittur und Thikun Sopherim, Q’ri und K’thib, die grossen und kleinen Buchstaben u. dgl. eine H’lachah von Sinai, oder chaldäischen Ursprungs sind, so ist die Frage, genau betrachtet, doch nichts weniger als unbedeutend, weil sie mit dem innigsten Wesen des ganzen Judentums und der Geschichte der Überlieferung der heiligen Urkunde bei dem Volke Israäl in dem Allergenauesten Zusammenhang stehet. Übrigens ist es leicht zu erweisen, dass in dem Inhalte der Schriften des alten Testamentes tiefe Mysterien verhüllet sind; warum sollte diese Mystik, nach dem Genius der Urwelt, wo alles Innere auch sein äusseres Symbol hat, sich nicht auch in den äusseren Formen der Schrift abprägen, um so mehr, da nicht nur in den Sinn der Worte sondern Namentlich auch in den einzelnen Buchstaben grosse Geheimnisse verborgen liegen.Überhaupt war man bei der geringen und oberflächliehen Notiz, die man von jeher, besonders aber in neueren Zeiten von dem Judentum nahm, sehr geneigt, alles, was nur irgend einige Sonderbarkeit an sich trug und nicht auf der Stelle

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