Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3486266-3486299--8154-3494533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
78 zu weit führen, jede einzelne Stelle, bei der der Terminus Halaeha le-Mosche mi-Sinai vorkommt, zu behandeln; ganz allgemein gesprochen sind nur folgende Fragen aufzuwerfen: 1.) Die Bezeichnung Halaeha le-Mosche mi-Sinai wird auch angewandt bei Anordnungen, die die Schriftgelehrten auf Grund ihrer Machtbefugnisse getroffen haben.1) — 2.) Wenn solche Satzungen vom Sinai her datiert worden sind, woher kam es, dass über dieselben unter den Talmudlehrern Meinungsverschiedenheiten entstehen konnten? Man sollte doch annehmen können, dass eine Vorschrift, die sich auch ohne direkten Beweis aus dem Schriftwort erhalten batte, unumstritten sein müsse. — 3.) Ein Ausspruch des Talmuds in Berachoth 5 a im Anschluss an den Sehriftvers Ex. 24.12 lautet: ואתנה לך את לוחות האבן והתורה והמצור, אשר כתבתי להורותם, לוחות אלו עשרת הדברות, תורה זה מקרא, והמצור. זו משנה, אשר כתבתי אלו נביאים וכתובים, להורותם זה גמרא, מלמד שכולם נתנו למשה מסיני. Der Talmud scheint also hier der Auffassung zu sein, dass das ganze spätere Schrifttum schon dem Moses am Sinai übergeben worden war. Ein ähnlicher Satz findet sich in Megilla 19 b: מלמד שהראה הקיבה למשה דקדוקי תורה2), ודקדוקי סופרים3), ומה שהסופרים עתידים (4להתחדש. Aussprüche ähnlichen Inhaltes begegnen uns noch an sehr vielen anderen Stellen der beiden Talmude, doch die eben zitierten mögen genügen. Es muss einem vorurteilslosen Forscher, der sich nicht zu dieser Stufe des Glaubens emporringen kann und daher nicht geneigt ist, diese im Wesen der feststehenden, unrüttelbaren Tradition verankerte Auffassung sich zu sei nicht anzunehmen, dass das Schriftwort nur zum Zwecke der Asmachta vorhanden sei. (s. auch hierzu die erwähnte Abhandlung von Chawoth Jair, E. Z. H. Chajes in seinem Torath Newijim, Sefer ha־Mizwoth I und die Erklärer daselbst. — x) jer. Schabbath 1.3 und an anderen Stellen ״überall, wo in der Mischna der Ausdruck vorkommt: in Wahrheit haben sie gesagt (באמת אמרו), ist dies eine Halaeha le-Mosche mi-Sinai“) an vielen von diesen Stellen handelt es sich um eine Anordnung der Rabbaniten. a) Dikduke Thora sind nach Erklärung Raschi’s z. St. die zu bestimmten Sätzen angewandten Buchstaben und Wörter, z. B. ein Waw oder die Wörter ״ach, eth, rak“ etc. a) Die Folgerungen der späteren Lehrer aus den Worten der früheren. 4) Hierzu wird im Talmud das Lesen des Estherbuches als Beispiel gewählt.