Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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?1 Anfang des Morgengebetes). Ausserdem ist in der Sprache der Mischna und Gemara diese ältere Form eine sehr gebräuchliche. Und selbst wenn man das Unwahrscheinliche annehmen wollte, dass die in einem späteren Zeitalter lebenden Schriftsteller und Grammatiker über die in früherer Zeit gebräuchliche Beschaffenheit der Grammatik mehr unterrichtet waren als die Lehrer, die die Noten ihren Schülern mitteilten, so hätte es doch absolnt keinen Sinn gehabt, dass Esra diese auf falschem Sprachgebrauch und falschem Verständnis der hehr. Sprache beruhenden Noten der Nachwelt getreulich überliefert hat. Diese und vielleicht noch andere Gründe mögen genügen, um die Theorie Herbst’s zu erschüttern. II. Die zweite Ansicht Abarbanel’s: Abarbanel ist überzeugt von der Unverfälschtheit und Beinheit des heiligen Textes, den Esra und die grosse Synode vorgefunden hat. Bevor aber Esra daran ging, das Punktations־ und Akkuentationssystem dem Text einzuverleiben, Anfang und Ende der einzelnen Verse zu bestimmen, usw., prüfte er mit grosser Genauigkeit jedes einzelne Wort der heiligen Bücher. Da fand er nun Wörter, die ihm nach dem damaligen Gebrauch der Sprache fremd und ungewöhnlich erschienen. Der betr. Prophet oder vom göttlichen Geist Inspirierte hatte in seiner gründlichen Erkenntnis und der Tiefe seiner Weisheit mit dieser fremdartigen Schreibweise beabsichtigt, einen geheimen Sinn, eine mystische Deutung in den betr. Aussprüchen zu verstecken. Da man hiernach annehmen musste, dass diese gegen das Sprachgefühl verstossenden Ausdrücke göttlichen Ursprungs sind, und man von der Inspiration der Verfasser jener Bücher, in denen dieselben vorkamen, überzeugt war, hatte Esra natürlich keine Machtbefugnis, auch nur einen Buchstaben vollständig zu streichen oder sogar ein ganzes Wort und dafür ein anderes einzusetzen. Er liess deshalb die Textlesart stehen; nur am Band merkte er das Q. als Erklärung der Textlesart an und mit Hilfe dieser Bandbemerkung w^ur es leicht, sich über die richtige Bedeutung der Textlesart und über die wahre Absicht des Erzählers Klarheit zu verschaffen. Z. B. Gen. 10. 19 steht im K. צביים; in früherer Zeit lautete der Name dieses Landes tatsächlich so, als er sich aber später in ממי צבדםwandelte, da musste Esra zur Verständnis der Schrift an den Band schreiben, dass das im Text genannte Land dasselbe ist, das zu seinen Zeiten einen auderen Namen führte. — K. גער; der anver-