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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1930-01-01 · XXI. (1930) · page 54

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXI. (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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48 genauen Vergleichung sich sonst gar keine, auch nicht die geringfügigsten Differenzen ergeben hätten. Ist es ferner denkbar, dass in einem Musterkodex — denn als solcher scheint ein in den Tempelhof aufgenommener betrachtet zu werden — statt נערי gestanden hätte זאטוטי, ein Wort, das garnicht hebräisch ist.1) Um diesen Bedenken zu begegnen, hat Blau2) eine völlig neue Interpretation der zur Behandlung stehenden Stelle angenommen. Nach seiner Ansicht kann inan eine Nachricht nicht für historisch halten, nach der in einem hebräischen Mustercodex ein nicht-hebräisches Wort gestanden hätte. Es sei anzunehmen, dass der ursprüngliche Text mit einer Interpretation versehen wurde. Der ältere Text hätte nur die ersten 10 Worte: שלשה ספרים נמצאו בעזרה ספר מעון ספר זאטוטי וספר היא gehabt. Die Erweiterung (Glossierung) alter Traditionen sei im Talmud gang und gäbe. Als eklatantes Beispiel hierfür bringt er die Fastenrolle (מגלת תענית), in der der ursprüngliche Text in aramäischer Sprache und der Kommentar in hebräischer Sprache abgefasst ist. Für diese Annahme spräche die Version des Traktats Soferim, wo der Amora R. Simon ben Lakisch als Urheber unserer Nachricht erscheint. Von ihm oder einem seiner Lehrer, dessen Name ausgefallen sein mag, dürfte die Erklärung der drei Namen stammen. Wenn man also von dieser Interpretation absieht, verbleibt eine Nachricht von drei Tempelexemplaren des Pentateuchs, die alle Merkmale der Echtheit an sich trägt. Es gab nämlich Feste, an denen beim synagogalen Gottesdienste aus drei Thorarollen vorgelesen wurde, da in Gegenwart der Gemeinde zu rollen verboten war. Weiterhin ist es einleuchtend, dass man im Tempel mehr als ein Exemplar des Gesetzbuches aufbewahrte. Auf die Frage, wann sie gefunden wurden, gibt er die Antwort: nach der Zerstörung des Tempels.3) Unter l) J. Löw bei Krauss, Lehr Wörter, II. 240: ״Das Textwort נערי war in einem natürlich mündlichen Targum durch זאטוטי, Kinder, wiedergegeben worden und das dem Schreiber bekannte Targumwort floss ihm statt des Textwortes aus der Feder“. Warum floss ihm nicht wenigstens noch ein aram. Wort aus der Feder? Warum zeigte die Abschrift eines solchen gedankenlosen oder vielmehr in Gedanken verlorenen Schreibers nicht noch andere Fehler? (Blau 1. c. 102a) *) Studien zum althebr. Buchwesen u. für bibl. Literaturgeschichte, Budapest 1902, S. 103 ff. *) Mit dieser Annahme scheint Blau recht zu haben; ich fand einen

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