Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486299--8099-3494478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von den Rabbinen (Chachamim) der sephardischen Gemeinde wurde ausserdem noch ein besonderer Hilfsverein iär Palästina (Irmandade para soccoro de Jerusalaym) begründet, der von seinen Mitgliedern Beiträge erhob,1) die dann wahrscheinlich an die Gabbae Erez Israel durch den Vereinsvorstand abgeführt wurden. Die Begründung dieses Vereins geschah — mit Genehmigung des Vor- Standes (Mahamad) — am 11. Tischri 5420/1659. Wie sehr der Vorstand dieses Hilfswerk schätzte, zeigt sein Beschluss vom gleichen Tage: ״Das Mahamad wird dieses Liebeswerk fortan mit Rat und Tat unterstützen“.1) Die Geldeinsammlung für Palästina geschah also auf eine Art und Weise, die der der modernen jüdischen Sammelfonds nicht nachsteht. Sie hatte sogar den einen Vorteil, dass alle Geldeinläufe für Palästina zentralisiert waren. Ebenso zentralisiert — im Gegensatz zum heutigen Stand der Dinge — war die Verteilung sämtlicher Gelder der Galnthgemeinden, seien sie aschkenasisch oder sephardisch gewesen. Die Zentralstelle für die Geldüberweisungen nach Palästina war Venedig,2) und dorthin sandten auch die Hamburger sephardischen Juden ihre für Palästina bestimmten Gelder, anstatt sie den zuweilen in besonderen Fällen kommenden Meschulachim (Sendboten) mitzugeben, was ausserdem bei der damaligen Verkehrsunsicherheit ein gewisses Risiko mit sich gebracht hätte. In dem grossen Handelshafen Venedig — wo Orient und Okzident zusammentrafen — spielte auch das jüdische Element eine gewisse Rolle. Für die Jaden war Venedig ein Zufluchtsort in Norditalien gewesen — und dort hatten sie auch eine alte Ge- ף C IV, s. 321. a) Ob auch die poln., im Waad arba arazoth organisierte Judenheit ihre Palästina-Gelder über Venedig oder direkt nach Palästina abgeführt hat, lässt sich aus M. J. Dembitzer. כלילת וץ0י (Krakau 1888) S. IV nicht ersehen, da er dort nur mitteilt, dass Lublin ״seit 300 Jahren schon“ der Sammelpunkt der Erez Israel-Gelder Polens war (wie dort in der Anm. ausgeführt wird, seit 1618). Vielleicht haben nur die seph. Juden ihre Gelder nach Venedig überwiesen. Dieser Sache wäre jedenfalls nachzugehen, da sich aus ihr ein Beweis für einen engeren Zusammenhang der verschiedenen Judenheiteu (als er gewohnlich angenommen wird) ergibt. — Auch die Esrogim wurden über Venedig bezogen. C II, S. 204.