Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 396)
- Language
- German
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323 gnädigen Kaiser Rudolfus s. 1. Darum sagten die Gleicbniskundigen, es sei wie mit Antoninus und ßabbi. Er war weiser als alle Kinder des Ostens, er war ein Mann Gottes, überaus ehrfurchtgebietend, seine Gestalt war die eines göttlichen Engels; sein ganzes Lehen lang legte er niemand die Hand auf, ihn zum Morenu zu weihen, er selbst liess sich zur Thora nur aufrufen mit dem Titel Rabbi Jehuda ben Rabbi Bezalel. Er verfasste viele Werke, schier ohne Zahl, auf seinem Grabmal steht, dass er Chiduschim (Novellen) zum ganzen Talmud verfasst habe; er stellte auch die Gemara zu den Ordnungen Seraim und Toharoth aus den in den vier anderen Ordnungen darauf Bezug habenden Stellen zusammen. Er hat zum Talmud auch eine einfache Erklärung nach der Art Raschis und eine scharfsinnige nach der Art der Tossafot verfasst und an die Seiten des Textes gestellt, auch viele Responsen verfasste er. Um unserer Sünden willen sind in dem Brande, den Gott in seinem Grimme 449 d. kl. Z. (1689 d. gew. Z.) angezündet hat, all unsere Kostbarkeiten ein Opfer der Flamme geworden. Mein — des Schreibers — Vater 8. L hatte einen Talmud, gedruckt in Venedig 280 d. kl. Z. (1520), in dem die Novellen des Gaons von der Hand seines Schwiegersohnes des Gaons muhrr Isak C. Z. s. 1. geschrieben waren und auch die Novellen dieses Schwiegersohnes selbst; um unserer Sünden willen, gingen sie von uns, es blieb uns nichts als die beiden Traktate Sukah und Ernbin im Besitze meines Bruders muhrr David Pereis j. z. w. Wer sie liest, erstaunt, wer darin Einblick nimmt, bewundert sie. Er stieg empor zur Höhe am 18. Elul 369 d. kl. Z. (1609) im Alter von 97 Jahren hier in Prag; er ruht mit seinem Weibe unter einem Grabmale, und bei Beiden wird wegen ihrer frommen Bescheidenheit weder der Titel Rabbiner noch Rabbinerin erwähnt, sondern nur: Hier ruht R. Jehuda ben Bezalel und seine gleichgesinnte Frau Perei, Tochter des R. Samuel. Das Denkmal ist ein sehr ansehnlicher, prächtiger Bau. Die Nachkommenschaft des erwähnten Gaon Mhrl. Wisse, dass er nur einen einzigen Sohn hatte, namens R. Bezalel Charif, der ein be wunderswert er Gaon war; ans Eifersucht wollte man ihn nicht zum Nachfolger seines Vaters hier in Prag