Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 384)
- Language
- German
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311 Die völlige Unzufriedenheit mit den gebotenen Erklärungen spricht hier aus jedem Worte. S. R. Hirsch will hier ein Bild von der Wallung Gottes in der Natur zu Gunsten des Menschen erblicken1), wie Gott dem Menschen nach Erschlaffung und Ermattung neue Kräftigung angedeihen lässt. Er übersetzt die VV. 5—6 wie folgt: ״Du lässt sie dahin strömen. Ein Schlaf werden sie, aber am Morgen erneut es frisch wie Gras die Kraft. Am Morgen sprosst und gewinnt frische Kraft, was, dem Abend zugewendet, dieser knickt und es dorrt“. — Hier aber ist nur ein Bild von der Kurzlebigkeit und Vergänglichkeit des Menschen, genau wie in Kap. 102, 12; 103, 15—16; Hi. 14,1—2 u. a. m., so wie es auch alle Klassiker der Exegese angesehen haben. In V. 6b wird der Gegensatz zu 6 a ausgeführt. Offenbar sah sich auch S. R. Hirsch zu dieser gezwungenen Erklärung durch die unbefriedigenden früheren Er־ klärungen veranlasst. Zur treffendsten Illustrierung der Unzulänglichkeit aller bisherigen Deutungen unserer Stelle und der Irrwege, die man dabei eingeschlagen hat, seien hier die Ausführungen Hermann Gunkels2) angeführt: V. 5 Text: ״du schwemmst sie fort (?), ein Schlaf werden sie; am Morgen wie das Gras, das vergeht“; darin mancherlei Anstösse: זרם pflegt man nach ״ זרםPlatzregen“ und ״ זרםströmen“ Ps. 77,18 in der Bedeutung ״wegschwemmen“ zu nehmen (andere Auffassungen bei Ges.-Buhl 16); aber dann enthält der eine Vers drei verschiedene Bilder. Ferner ist der Ausdruck ״sie werden ein Schlaf“ seltsam; noch wunderlicher das Folgende: ״am Morgen (welchem Morgen?) wie das Gras, das vergeht“; aber das kann חלף, das sich in 6 wiederholt, dort nicht bedeuten; Baethgen, Kessler ״!חלףdas treibt“, aber man erwartet nach der Parallele 5a ein Bild des Vergehens. Bei der Heilung einer .so offenbar (von mir gesperrt, G.) verderbten (Olshausen) Stelle kommt alles auf ף Vgl. seine Bemerkung zu V. 5: Gott lässt oft tausend Jahre dahin strömen, oder wie Regentropfen zur Erde strömen, sie sind ein Schlaf, das wahre, geistige, persönliche Wesen des Menschen kommt nicht zur Entfaltung, es schläft; dieser Schlaf scheint ein Tod zu sein, und ist Gesundung und Erstarkung. Ist der Morgen da, ist das Jahrtausend des Schlafs vorüber, so ersteht es in erneuter Frische wie junges Grün ... *) A. a. 0. S. 400.