Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 300)
- Language
- German
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227 Einrichtungen verraten oder es aus Parteizwecken thun, welche zumeist im Eigennutz ihre Wurzeln haben1). Wenn auch die Bittsteiler, die mit Ausnahme des mit dem Talmud einigermassen bekannten Lob Sulzbach alles religionsgesetzlichen Wissens baar sind, dem Rabbinate ״keine entscheidende Stimme2״) in gottesdienstlichen Einrichtungen zuerkennen wollen, so wird diese Ansicht gewiss von hoher Behörde nicht getheilt, da diese ja den Rabbiner als das Organ der Religion in sein Amt eingesetzt.“ Auch sei die Orgel s. Z. nicht einseitig vom Vorstand sondern auch von dem damals fungierenden Rabbinatsvicar Mannheimer also mit Bewilligung des amtlich bestellten Sachverständigen eingeführt worden. Von anderen Reformen, wovon in der Eingabe der Petenten die Rede ist, gibt Rabb. Dr. L. zu, dass er aus eigenem Ermessen die im Mittelalter entstandenen sog. ״Pijutim“ d. s. poetische Stücke, welche in das vorgeschriebene Gebet ״widersinnig* eingeschaltet wurden, abgeschafft oder reducirt, weil zu allen Zeiten von den gelehrtesten und orthodoxesten Rabbinen Protest gegen ihre Recitation eingelegt worden sei. Von diesen hebt er bes. drei hervor: Maimonides in seiner Gutachten-Sammlung betitelt Peer hador No. 64, 129 und 130, Menachem Asarja aus Fano (lebte i. J. 1620) in seinem Werk ״Assara Maamoroth“ und den Commentar Jad Jehuda von R. Lob Simon aus Mainz (1698) und Cbiskija di Silva (lebte 1706) in seinem Werk Pri chadascb3). Zum Ersatz für die ausgefallenen Pijutim habe er (Dr. L.) einige deutsche Gebete eingeführt, welche an Festtagen von ihm laut vorgetragen werden. Ferner habe nach dem Scheiden seines Vorgängers aus seinem Amt Rabbinatsvicar Mannheimer die zwar althergebrachte aber allem ästhetischen Geschmack widersprechende Melodie abgeschafft, mit welcher die Thora-Perikopen vorgelesen wurden und anstatt derselben die declamatorische Vortragsart eingeführt. Da diese ״würdiger sei und den Sinn der Worte besser hervortreten lasse״, habe auch er sie beibehalten. Zum Schluss bemerkt noch Dr. L.: ״Rechnen wir noch andere Anordnungen l) Unerhört! *) Im Original zwischen Anführungszeichen. 3) Interessant, wie Dr. L. die Weglassung der Pijutim verteidigt, als handle es sich um den wichtigsten Teil des Gottesdienstes. 15*