Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 285)
- Language
- German
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212 düng eines eigenen positiven Rabbinats. Die Petenten nahmen Bezug auf die Vorstellung der Landjudenschaft der Provinz Starkenbürg gleich nach Entlassung des Rabb. Dr. Auerbach, dass sie die Trennung von der Stadtjudenschaft dringend wünsche. Vor allem verwahren sie sich, dass sie betr. des religiösen Standpunktes keineswegs an längst veralteten Formen kleben, auch nicht glauben, das Wesen des Judentums bestehe in dem starren Festhalten an solchen, sondern ״Wir wünschen aufrichtig einen Fortschritt des Judenthums und eine Hebung der Israeliten und sind mit Allem einverstanden, was zur Beförderung wahrer Religiosität dient. Dagegen sind wir der Überzeugung, dass für jeden Menschen nur Heil aus dem Festhalten an einer positiven Religion erwachsen kann und dass aus dem Verlassen des Bodens der positiven Religion der Verfall des sittlichen und religiösen Lebens eintritt. Wir halten desslialb unverbrüchlich fest an der mosaischen Religion in der wir geboren und erzogen sind und wünschen ebenso, dass auch unsere Kinder in der Religion unserer Väter herangebildet werden und keine Macht der Erde wird uns je dazu bringen, von unseren religiösen Ansichten abzugehen oder den Grundlehren der mos. Religion zu entsagen.״ Vor allem wünscht der Gesuchsteller im Aufträge zahlreicher Landgemeinden die Trennung mehrerer Land־ gemeinden — namentlich der von Darmstadt entfernten — von der Stadtgemeinde Darmstadt und besonders die Wiedereinrichtung des früheren Rabbinatssprengels Michelstadt. ״Wir unsererseits feinden die Darmstädter Israeliten ihres Glaubens wegen nicht an und verlangen nur, dass sie uns ungestört unsere Religion ausüben lassen. Eine gleiche Toleranz gegen uns setzen auch wir bei ihnen voraus und hegen hiernach die feste Überzeugung, dass wir nach Aufhebung des fraglichen Verbandes friedlich neben einander leben werden.“ Gesuchsteller bemerkt weiter, dass die israel. Gemeinde Darmstadt jetzt sehr bemittelt sei und sogar im Stande gewesen sei, ein Casino für sich zu gründen. ״Wäre aber auch die Gemeinde weniger bemittelt, so könnten doch wir resp. unsere Vollmachtgeber nicht hierunter leiden, und es würde sicherlich allen Grund- Sätzen des Rechts und der Billigkeit widerstreben, wenn man uns desshalb zumuthen wollte, länger in einem kirchlichen Verbände mit denjenigen zu verbleiben, die gerade in Glaubensänsichten als unsere Widersacher betrachtet werden müssen.“