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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 263

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 263)
Language
German
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IRI
…/3486266-3486301--7877-3494255
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190 Ministerium einen Bericht über die Bitte eines grossen Teils der Landjudenschaft der Provinz Starkenburg wegön der Verhältnisse derselben überhaupt und deren Schuldenwesen insbesondere. Dem eingehenden Bericht lag eine Tabelle bei über die Frage, an welche Rabbiner sich die Juden in den neuen Landesteilen der Provinz in ihren Religionsangelegenheiten wenden, welche Besoldung und Accidenzien sie denselben bezahlen, und au! welche Weise sie erstere aufbringen. Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass in den einzelnen Ämtern bzw. jüdischen Gemeinden der Provinz in der Frage der Zugehörigkeit zu den verschiedenen Rabbinaten und Besoldung des Rabbiners eine grosse Zersplitterung und Verwirrung herrschte. So wenden sich z. B. Bensbeim und Gernsheim an den Rabbiner in Darmstadt gegen ein Gehalt von 25 fl bzw. 5 fl. Breuberg, Erbach und Reinheim an den Rabbiner Isaac Lob Wormser in Michelstadt (genannt Baal Schern von Michelstadt), Michelstadt selbst an Rabbiner, Vorsänger und שוחט Wolf Muhr daselbst1), Dieburg und Seligenstadt an die Rabbiner zu Aschaffenbürg. Hanau, Offenbach und Michelstadt, Heppenheim an den Rabbiner in Worms, Hirschhorn an den Rabbiner in Neckarbischofsheim in Baden oder an den Schutzjuden Simon Dessauer in Hirschhorn wohnhaft, der manchmal Copulationen vollzog und religiöse Entscheidungen traf. Lindenfels wandte sich an den Darmstädter Rabbiner zuweilen auch an den Vorsänger zu Schönberg. Offenbach besass einen eigenen Rabbiner Gottlieb Metz, Wimpfen wandte sich an den Rabbiner von Kochendorf (1 Stunde von Wimpfen entfernt i. Württemberg). Aus der Tabelle erfahren wir ferner, dass Land- *) Die seltene Tatsache der Existenz zweier Rabbiner in Michelstadt findet ihre Erklärung in den dortigen Verhältnissen. Seit mehreren Jahren wirkte dort der berühmte Toragelehrte und wegen seines bescheidenen Wesens hochgeehrte Rabbiner Isaac Lob Wormser (gen. שם von Michelstadt). Wahrscheinlich auf Denunziation hin hatte ihm die Regierung die Ausübung der rabbinischen Funktion wegen kabbalistischer Religionsschwärmerei untersagt und den dortigen R. Wolf Muhr, חץ und שוחט der Gemeinde, damit beauftragt. Im J. 1811 wurde jedoch auf Berufung der Judenschaft vom gesamten Amt R. I. L. Wormser wieder in sein Amt eingesetzt. Der Justizbeamte in M. erteilt ihm das beste Zeugnis, und Inspektor Bauer daselbst empfiehlt ihn in einem Schreiben an Reg.-Rat v. Kuder als einen in seinem Fache sehr gelehrten und in jeder Hinsicht rechtschaffenen Mann, dem mit Rücksicht auf seine zahlreiche und hilflose Familie eine gewisse Versorgung zu gönnen wäre.“

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