Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 237)
- Language
- German
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163 Dem gegenüber machte der Hofmarschall geltend1), der Herzog wisse doch ״das der benant kaiser Ludwig durch den babstlichen stul, auch durch das eoneilium und. durch seiner kayserlichen gnaden vorfordern am reich, Römisch kaiser und konig, veracht gewesen sein, henndel, an und in dem heiligen Römischen reich beschehen, widerrufft, vernicht und krafftlos erkannt sein worden, deßhalben dann auch die berurtt pfanndtnus und saczung der Judischait zu Regenspurg kraftlos ist.“ Der Kaiser habe es bisher geduldet. Nachdem sich aber ״solh swär hanndel“ mit der Judenschaft ereignet, müsse der Kaiser einschreiten, ״damit dieselb Judischait durch solh furnemen dermassen nit zuerstört und dem heiligen reich nit enzogen, sunder dabey gehandhabt . . . werde.“ Mit Recht konnte der Herzog erwidern2), ihm sei nichts davon bekannt, dass Kaiser Ludwig in Acht war. Kaiser Karl und seine Nachfolger hätten die Herzoge bei der Verschreibung gelassen, ja Kaiser Friedrich selber habe diese bestätigt. Trotzdem blieb der Kaiser dabei, dass die Juden sein ״Eigentum“ seien, das nicht zu Grunde gerichtet werden dürfe. Vom Regensburger Rat verlangte er durch Heinrich Vogt am 5. August, ihm die Juden mit Leib und Gut auszuliefern:3) Juden, Heinrich Vogt, feria 2 die Oswaldi. Der hof mar schal ck liess 1 credencz von k. maiestat horn und warb darauff, daz im di Juden mit iren leiben und guten antwurtt, so well er sich im hanndl hallten, alz 1 krystenlichen Ro. k. zustett, wan im di on all mitl zughorig seind, damit im nicht not tue, weitter zu hanndien, nachdem di ding kaiserlicher maiestat nicht anpracbt sind. Seien ihm die Juden überantwortet, ״hat dann jemant zn Juden zu sprechen, den well er recht gein in widerfaren lassen“4). Die Forderung, die Juden mit ihrem Vermögen auszuhändigen, tritt hier zum ersten Male auf. Sie steht zwar im fiskalischen Ladebrief vom 14. Juli, doch dieser war am 5. August noch nicht publiziert. Im Schreiben vom 10. Mai wird von der Auslieferung noch nicht gesprochen. 1) Werbung Heinrich Vogts an den Herzog, undatiert, doch nachweislich am 1. August. 2) Nach dem Berichte des Herzogs an den Rat am 3. August. 3) Merkzettel Bl. 373 v. 4) Merkzettel Bl. 372v. 11*