Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
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19 Frömmigkeit erblicken, ohne die Entwickelung: und Gestaltung des Inneren zu beachten, als auch über die unleidlichen, widerwärtigen Frevler, die Tag für Tag, stündlich Gatt, sein Wort und seinen Bund im Munde führen und dabei unsittliche Taten in Schauderhafter Entartung vollbringen. Nur eine dankbare Gesinnung, rückhaltloses Vertrauen, Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung aller Gelübde und Versprechungen, sorgsames Achten auf den eigenen Lebensweg, um ihn nach Gottes Willen zu gestalten, das bedeutet Frömmigkeit, das bedeutet das Wohlgefallen Gottes; nur solches Verhalten ist Frömmigkeit, die vor Gottes unbestechlichem Auge bestehen kann. Der Psalm 82 bilde den Abschluss unserer Beispiele I In ihm steht in treffender Ausführung der schöne Satz, dass die Welt uns mit denselben Augen anblickt, mit denen wir sie selber betrachten; sie gibt uns das Bild unserer Seele wieder: ״Zahlreich sind die Schmerzen des Frevlers, aber wer auf Gott vertraut, der fühlt sich von der Liebe Gottes umgeben.“ Der Psalm selber preist die befreiende Kraft der Sündenvergebung und darum das Glück des Entschlusses, sie anzustreben. Er nimmt das Ergebnis seines Erlebnisses mit den EinleitungsWorten voraus: ״Heil dem Menschen, dem man seine Frevel vergeben, dessen Sünde man bedeckt hat.“ Er schildert zunächst den entsetzlichen Zustand des Schuldbewusstseins, das ihn körperlich und seelisch zugrunde zu richten drohte. Mit dem Worte סלה schliesst jeder einzelne Teil des Seelendramas. Nun erwacht der Entschluss des Sündenbekenntnisses, das ihm die Verzeihung Gottes bringt. Wieder deutet das Wort סלה den Schluss eines Aktes an, wie auch in der Folge. Der Psalmist ist so beglückt, dass er sein Glück allen Menschen empfehlen will. Sündenbekenntnis rettet vor Unglück. Wieder ein Abschluss — Seloh! Es gibt aber ein noch grösseres Glück; es besteht darin, dass wir dafür sorgen, dass wir das Sündenhekenntnis nicht brauchen. Wie erreichen wir das? Dadurch, dass wir nicht dem Pferd und nicht dem Waldesel gleichen, deren roher Natur- Willen Zaum und Zügel zu ihrer Bändigung nötig macht, dadurch dass wir einen durch die Vernunft versittlichten Willen gewinnen. Nur in diesem Besitz liegt des Menschen Wert und Glück. Unsere Ausführungen sollen lediglich eine Anleitung bedeuten zur richtigen Lektüre der Psalmen. Die gegebene Auswahl ist nur 2*